Roter Besenstiel gewählt: Nächster Oberbürgermeister steht fest
17. Oktober 2008 – 17:10 von BjoernAm gestrigen Tag wählte die Partei den Technischen Beigeordneten Bernd Tischler zum neuen Oberbürgermeister.
Damit steht fest, wer in den nächsten Jahren über Bottrop anne Emscher wachen und seine schützende Hand über die Stadt halten wird. Zum Glück hat sich der Bottroper Wähler hier gegen Experimente und für die dringend benötigte Stabilität und Kontinuität entschieden.
Der Noch-Amtsinhaber bleibt bis Mitte nächsten Jahres kommissarisch im Amt.



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Städtepartnerschaft
Unter der Leitung von Dr. No gibt es seit geraumer Zeit einen internen Arbeitskreis „Jubiläum“ im Rathaus. Als der wieder einmal tagte, brachte der Sprecher neue Nachricht mit: Zur Vorbereitung der Stadtwerdung vor 90 Jahren ist ein großes Treffen mit allen Patenstädten in Nordfrankreich geplant. „Wir werden dort mit einer Delegation vertreten sein. Der Chef nimmt auf jeden Fall teil. Die anderen Teilnehmer müssen von den Parteien benannt werden“, erklärte der Jurist und wandte sich der umfangreichen Tagesordnung zu. Am runden Tisch im Casino saßen neben Dr. No, auch Andreas, Dat Plätzken, Rotti Rollmann, der Organisator des großen Kirchhellener Volksfestes, der Ketzer und Many Ole. Manchmal gesellte sich auch der Chef zu ihnen. Doch eigentlich recht selten. Er hatte andere, wichtigere Termine. Dat Plätzken sah sich um und blätterte in den Unterlagen: „Ja Freunde, lass uns beginnen. Ich muss nachher noch die anderen Städte informieren. Vor allem das Hotel in Frankreich muss gebucht werden“. „Ja, hast ja recht. Aber wo sind die Erdnussflips“, ruft auf einmal der Ketzer. „Mensch, denk an deinen Bauch und sieh mich an. Man lebt auch gut von der frischen Landluft“, entgegnet Rotti. Alles lacht. Dann geht man schnell zur Tagesordnung mit den Punkten „Sport und Sonderaktionen“ über. Nach drei Stunden erhebt sich schließlich Dr. No: „Das ist ein Programm, dass die Bottroper bewegt. Ich bin stolz auf uns. Prima. Der Chef wird sich freuen. Morgen wird die Teilnehmerliste endgültig vorliegen, dann gibt es sicherlich wieder etwas zu lachen“. Der Jurist sollte recht behalten.
Zehn Tage später steht die Bottroper Delegation mit dem Chef an der Spitze im Rathaus von Tourcoing. Sekt wird gereicht. Man begrüßt sich freundlich. Der Strahler, dat Luder, die rote Irmgard, die Domina, der Schalker, die kleine Renate und Conny, die politische Gespielin des Chef, gehören neben Dr. No, dem Ketzer und Bernibärchen zur Delegation. Der kleine Hubschrauber und die Kirchhellener Bäckerin wären auch gerne mitgefahren, aber es gab nicht genügend Hotelplätze in der kleinen Stadt.
Der Chef sprach schließlich ein Machtwort. „Genug ist genug“. Im Hotel Ville wurden die Delegationen aus Merseburg, Wedding, Bottrop, Veszprem und Blackpool sehr freundlich empfangen. Bernibärchen zog sich in die letzte Reihe zurück. Er hatte diesmal auf seine geliebten Turnschuhe verzichtet und trug braune Wanderschuhe, die leider nicht zum schwarzen Anzug passten. „Wer schaut mir schon auf die Latschen“, meint er als der kleine Strahler ihn darauf anspricht. „Sag mal, warum heißen hier die Bürgermeister eigentlich alle Maier. Wird der Titel etwas in der Familie weitergegeben oder vererbt“, fragt Bernibärchen nach der vierten Rede seinen Nachbarn, den Strahler. „Bis du blöd, du alter Wursthaken. Hättest du mal in der Schule besser aufgepasst“. Er winkte eine hübsche, junge Angestellte heran, die Sekt und andere Getränke auf einem Tablett balancierte. „Hallo Madame“, versuchte Bernibärchen seinen Bottroper Charme spielen zu lassen. „Berni, du Bratwurst. Madame ist eine verheiratete Frau. Sie ist eine Mademoiselle“. „He, woher weiß denn du das. Kennst du die etwa auch schon. Unglaublich“. Bernibärchen schüttelt ungläubig den Kopf und lächelt die Hübsche an. Ein pfeifenrauchender Mann gesellt sich zu ihnen. „Hallo, my Name is Peter“, stellt sich der Lange in einem seltsamgemusterten Jackett vor. „Meine Güte, hier sind ja nur Ausländer, warum hat mir das denn keiner gesagt, dann hätte ich doch ein Wörterbuch mitgenommen“, meint Bernibärchen und schaut den langen Engländer an. „Bernibärchen“, sagt er und zeigt mit dem Finger auf sich. „Iss aber ein komischer Name“, entgegnet der Pfeifenraucher mit einem deutlichen englischen Akzent. Der Doktor kommt mit einem Glas in der Hand und begrüßt den Engländer freundlich: „Hallo Peter, lange nicht gesehen“. Dann unterhalten sie sich in der Heimatsprache des Blackpoolers.
„Komm Bernibärchen, wir setzen uns. Da gibt es vermutlich ein Bier. Ich kann diese Pfuffbrause schon nicht mehr sehen. Davon bekomme ich Magenschmerzen“, meint der Strahler leise in Richtung des Baumenschen, der zustimmend nickt. Der Chef, der seine silberne Amtskette trägt, ist in seinem Element. Alle Bürgermeister, Ratsvorsitzende und Verwaltungsmitarbeiter werden von ihm freundlich begrüßt. An seiner Seite, die treue Conny, die übersetzt. Nur beim Ungarischen, da muss sie passen. „Dir fehlt einfach die Paprika“, lacht der Chef und geht langsam und bedächtig durch die Gästereihen.
Der Schalker sitzt mit einem schnurbärtigen Ungarn an einem Tisch, sie haben ein interessantes Thema gefunden: Die Fußballweltmeisterschaft von 1954. Die rote Irmgard diskutiert angeregt mit einem Delegationsmitglied aus dem Roten Wedding den Mauerfall, während sich die kleine Renate und der Strahler in eine stille Ecke zurückziehen um eine Runde „Mensch ärgere dich“ nicht zu spielen. Sichtlich angeschlagen verlässt die Delegation aus Bottropolis weit nach Mitternacht gemeinsam das Hotel Ville. „Warum können wir denn nicht hier übernachten“, meint lallend Bernibärchen, als er das Schild mit dem Aufdruck „Hotel Ville“ sieht. „Du alter Schlappen, das ist das Rathaus. Da übernachtet man nicht, da wird gearbeitet. Das kennst du doch auch. Oder etwas nicht“, meint im Vorbeigehen Dat Luder. „War ein sehr, sehr schöner Abend. Die sind schon alle gespannt auf unser großes Jubiläumsfest“, sagt der Chef, bevor ihn Conny mit einem sanften Druck in den wartenden Reisebus schiebt.
Von Einer, der anne Emscher leben tut am Feb 19, 2009