Archiv für den Monat: Februar 2009

Alternative zum Kindergarten: Kindertagespflege in Bottrop

Im nun schon dritten Teil unserer kleinen Interview-Reihe mit Bottroper Unternehmern (Teil 1, Teil 2) geht es um die Kindertagespflegestätte Bottrop am Unterberg 11e, die von Christine Zander betrieben wird.

Der Willy vom Bottblog: Also Christine, erzähl uns doch vielleicht erst einmal, was du eigentlich genau machst.

Christine: Ich betreibe die Kindertagespflegestätte Bottrop. Ich biete Tagespflege für Kinder von 0 bis 3 Jahren bzw. von 3 bis 7 Jahren in den Randzeiten an. Ich betreue momentan 5 Kinder gleichzeitig, das ist auch das Maximum, das ich alleine machen darf.

Die Kinder vermittelt mir der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der in Bottrop für die Organisation der Tagespflege zuständig ist. Jedoch ist das nur ein Teil, weil ich mich selber auf die Suche nach Eltern machen muss, die eine flexible Kinderbetreuung benötigen. Diese erreiche ich durch Werbung (Flyer, Internet usw.) und durch Mund-Propaganda.

Logo

Logo der KiTaS Bottrop

Man kann sich zwar auch ohne Unterstützung des SkF selbständig machen, aber die Antragstellung läuft eben nur über den SkF.

Der Bedarf an Betreuung für Kinder unter 3 Jahren wird auf jeden Fall immer größer, da die Elternzeit auf nur ein Jahr beschränkt wurde und immer mehr Familien nicht mehr mit einem Gehalt auskommen können, da die Lebenserhaltungskosten immer mehr steigen.

Die Eltern erhalten auch Unterstützung, die anhand des Einkommens berechnet und vom Jugendamt gezahlt wird. Eltern zahlen nicht mehr privat an die Tagespflegepersonen, sondern einen normalen Kindergartenbeitrag. Ich bekomme selber einen festen Satz vom Jugendamt für jedes Kind. In anderen Regionen könnte ich auch noch mehr verlangen, aber in Bottrop ist das halt leider nicht drin. Ich meine… wer geht für 3,50 Euro pro Stunde arbeiten und muss sich selber versichern? Die Hälfte geht für Steuern und Versicherungen weg! Und die Anzahl der Kinder ist auch beschränkt – was ja auch gut ist – aber so unterhalte ich niemals einen auf Gewinn ausgerichteten Betrieb. Deswegen stelle ich auch meine Selbständigkeit in Frage.

Was mir momentan noch ein bisschen fehlt, ist Werbung. Meine Homepage demnächst auch noch aktualisiert.

Ansonsten bin ich auch auf der Suche nach einer Geschäftspartnerin, aber leider will sich in der Brancher keiner selbständig machen, alle wollen angestellt werden.

Willy: Woran meinst du liegt das?

Christine: Den meisten Leuten ist das einfach zu risikoreich. Man muss ja zuerst einmal die ganzen Fixkosten wie Miete tragen und dazu sind die Leute einfach nicht mutig genug und irgendwie auch zu träge. Außerdem hat meine Arbeit nichts mit der Arbeit einer klassischen Tagesmutter zu tun. Im herkömmlichen Sinne „arbeitet“ eine Tagesmutter grundsätzlich zu Hause und betreut neben ihren eigenen Kindern ein Tagespflegekind. Sie bekommt nebenher bis zu 600 Euro für ein Kind und braucht keine sozialen Abgaben leisten. Dieses Geld ist nur ein Dazuverdienst. So sieht das der Staat. Macht sich jemand in der Kindertagespflege selbständig und bezieht Räumlichkeiten, fällt er eigentlich aus diesem Rahmen raus. Dafür hat der Staat dieses Tätigkeitsfeld nicht vorgesehen. Frauen wollen zu Hause in ihrer eigenen Familie arbeiten und sich nur was dazuverdienen. Was ich anbiete, hat also nichts damit zu tun. Und Erzieher/innen wollen eingestellt werden – eine Selbständigkeit kommt für sie nicht in Frage.

Dabei wäre zu zweit die Aufnahme von bis zu 10 Kindern und damit auch ein kleiner Gewinn möglich.

Ich habe auch schon über einen WAZ-Artikel nach Geschäftspartnern gesucht, es kamen aber immer nur Leute mit Bewerbungsunterlagen, die wie bereits erwähnt fest angestellt werden wollten

Wir, d.h. mein Mann Michael und ich, haben das hier alles in Eigenleistung und ohne Fördermittel aufgebaut. Die Möbel kommen z.B. aus Kindergärten und wären dort sonst auf dem Sperrmüll gelandet, obwohl die alle noch gut sind und mit ein bisschen Arbeit wieder wie neu aussahen.

 

Hier gibbet noch kostenlose Parkplätze

Hier gibbet noch kostenlose Parkplätze

Es kamen dabei einfach mehrere glückliche Zufälle zusammen, normal wäre das wohl nicht so einfach möglich gewesen.

Eigentlich sind Tagesstätten zwar günstiger, Kindergärten werden aber generell bevorzugt.

Das Jugendamt zahlt uns halt nur 3,50 pro Stunde pro Kind und darauf müssen wir dann seit Anfang diesen Jahres auch noch ganz normal Steuern zahlen. Man muss in dem Bereich schon eine Menge Idealismus und Freude an Kindern mitbringen.

Manchmal ist das schon ein bisschen bitter. Wir haben anfangs unsere ganzen Ersparnisse aufgebraucht und nach dem jetzigen Stand würde ich mit Arbeitslosenunterstützung dasselbe verdienen.

Willy: Wie lief das bei dir genau mit der Gründung ab?

Christine: Zunächst einmal habe ich im August 2005 eine so genannte Ich AG gegründet und das Ganze zu Hause gemacht, was aber langfristig schwierig mit der Familie zu vereinbaren war. Es war einfach zu privat und die Distanz fehlte ein wenig. Außerdem brauche ich einfach meine Gruppe mit mehreren Kindern. Ich bin mehr Erzieherin als eine klassische Tagesmutter.

Seit letztem Jahr im April sind wir in die neuen Räumlichkeiten am Unterberg 11e gezogen, die wir seit Januar 2008 renoviert haben. Hier haben wir jetzt 130m² Fläche, neun Räume und ein großes Außengelände.

Willy: Wie sieh das eigentlich mit Vertretung aus? Was machst du, wenn du mal krank bist?

Christine: Ich habe bereits ein eigenes Vertretungskonzept erstellt, aber das Jugendamt ist sich da leider mit dem SkF noch nicht ganz einig. Die grundlegende Idee ist, das Ganze quid pro quo zu machen. Also wenn eine Tagesmutter krank wird, springt jemand anders ein. Das funktioniert in anderen Städten hervorragend.

Willy: Was war für dich der Beweggrund, in Bottrop zu gründen?

Kinder

Kinder beim Spielen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christine: In Bottrop ist einfach Bedarf vorhanden und es ist immerhin auch die erste Kindertagespflegeagesstätte in Bottrop gewesen.

Damals wurde ich manchmal ein wenig ausgelacht, aber mittlerweile hat sich halt bewahrheitet, das der Bedarf vorhanden ist.

In Nachbarstädten ist diese Form der Kinderbetreuung bereits etablierter, für die Städte ist das einfach auch eine sehr günstige Alternative im Vergleich zur Kinderbetreuung in Kindergärten.

Tetraeder-Rettung: Das Parkhaus am Bahnhof muss weg!

„Das ist Horror pur!“ Kunstprofessor Jörg Große-Böttelberg war völlig außer sich, als er heute am Hauptbahnhof in Bottrop ankam und vom Dach des Parkhauses einen Blick auf den Tetraeder wagte. Als Exekutor (Vollstrecker) der RVR-Aktion „Rettet den Tetraeder als Kunstwerk!“ musste er mit eigenen Augen sehen, wie die Laternen auf dem Parkhaus-Dach den Blick auf das Stahlgestänge verschandeln.

Für den Fachmann von der Gebrüder-Gerdes-Gesamtfachhochschulakademie in Tröpplingen bei Merseburg war deshalb sofort klar: „Das Parkhaus muss weg!“ Damit hat der vom Tetraeder-Besitzer RVR mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Exekutor eine weitere Entscheidung getroffen, um seien Mission zu erfüllen. Die lautet laut Große-Böttelberg: „Das Tetraeder-Werk von meinem Professor-Kollegen Wolfgang Christ muss auch weit über das Halden-Plateau hinaus als gesamt künstlerische Inszenierung unverfälscht bleiben.“ Im Klartext: Von jedem Punkt in Bottrop müsse der Tetraeder ohne „störendes Beiwerk“ betrachtet werden können. Das Parkhaus sei so ein Beiwerk, urteilte der Gutachter und hatte für die Stadtverwaltung aber auch einen Trost: „Wie ich gehört habe, gibt es ja sowieso riesige Probleme mit dem Parkhaus*. Mit dem Abriss würden also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“

* Zu diesen Problemen ein paar ernsthafte Notizen von David Schraven, der bereits am 9. November 2008 auf der Internetseite Ruhrbarone.de schilderte, wie sich Bottrop von einer Millionen-Rückzahlung für das Parkhaus mit über 200.000 Euro frei gekauft hat. Vorerst.

“Das Parkhaus steht am Bottroper Hauptbahnhof. Es hat 396 Plätze. Neun Stockwerke in Beton und Gitterstahl. Das Land NRW förderte die Anlage mit 3,8 Mio Euro. Das Parkhaus wurde für Pendler gebaut, die mit dem Auto zum Bahnhof fahren wollen, um weiter mit dem Zug zur Arbeit zu reisen.

Wirtschaftlich ist das Parkhaus ein Desaster. Nach meinen Informationen liegt die Auslastung nach der letzten offiziellen Erhebung der Stadt Bottrop bei 30,5 Prozent. Es werden nach Angaben der Stadt im Jahr rund 20.000 Euro erlöst. Die Kosten liegen bei 90.000 Euro. Ich habe mir die Akten des Parkhauses durchgesehen. Detailliert.

Normalerweise müssten diese Daten für die klamme Stadt ernste Folgen haben. Denn nach dem Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung Münster vom 15. Juni 2005, sollte die Stadt bis 2008 eine Auslastung von 80 Prozent nachweisen. Da dieser Wert nicht erreicht wird, müsste die Stadt laut Bescheid eigentlich rund 2,4 Mio Fördermittel an das Land zurückzahlen. Doch trotz der klaren Regel ist diese Zahlung in diesem Jahr nicht fällig geworden. Die Stadt konnte die zu unrecht bezahlten Millionen behalten…

Statt die Fehlplanung einzugestehen, macht der Bottroper erste Beigeordnete Bernd Tischler für die mangelhafte Belegung in einem Schreiben an den VRR vor allem äußere Gründe verantwortlich. So gebe es zu viele kostenlose Parkplätze in der Umgebung. Die Betreuung durch die Angestellten sei zu schlecht, und es habe Streiks bei der Bahn gegeben. Sprich: Alle anderen waren schuld, nur nicht die Stadtverwaltung.

Der VRR geht auf die Beschwerden von Tischler ein. Am 4. September (2008) unterschreiben VRR-Chef Martin Husmann und Bottrops erster Beigeordneter Tischler eine windelweiche Vereinbarung. Demnach wird die letzte Rate der Fördergelder in Höhe von 220.000 Euro nicht an die Stadt Bottrop ausgeschüttet. Im Gegenzug verzichtet der VRR als Aufsichtsbehörde auf eine Rückzahlung der 2,4 Mio Euro. Gleichzeitig soll bis Mitte 2010 nicht mehr die Auslastung des Parkhauses kontrolliert werden. Und die Stadt hat bis maximal 2012 Zeit eine Auslastung von 80 Prozent nachzuweisen.

Bis dahin, so darf man annehmen, fragt keiner mehr nach, was aus 3,8 Mio Euro Steuern geworden ist, die in einem fast leeren Parkhaus in Bottrop verbrannt wurden…“

http://www.ruhrbarone.de/verschwendete-millionen-in-bottrop

Am Standort des Parkhauses gab es schon vor seinem Bau eine gewisse Parkplatz-Nachfrage

* Hierzu schreibt Ulrich Kunold von der DKP-Ratsfraktion:
Seit Jahren, schon bevor das Parkhaus gebaut wurde, fordere ich im Namen der DKP-Ratsfraktion im Bau- und Verkehrsausschuss, dass das Parken für Pendler im Parkhaus am Hbf. kostenlos sein soll. Dies macht aus mehreren Gründen Sinn. Erstens liegt der Hbf. nicht zentral und fast jede Anbindung mit dem Bus aus den verschiedensten Stadtteilen Bottrops erfolgt mit einem Umweg über den ZOB. Zweitens ist es aus Klimaschutzgründen sinnvoll vom Pkw auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, was die Stadt Bottrop aber den Pendlern mit ihrer Politik schwer macht. Drittens wäre die Auslastung des Parkhauses höher und Steuergelder wären somit gut angelegt. Wenn Herr Grasedieck sich auf den Gleichheitsgrundsatz bzgl. der Fahrradfahrer beruft, sucht er nur nach Argumenten, um die Unsinnigkeit der Stadt Bottrop zu rechtfertigen. Schließlich muss in der Fahrradstation zusätzlich zu den Kosten Strom, etc. auch noch das Personal bezahlt. Aber vielleich wäre es auch sinnvoll für das Parkhaus Personal einzustellen, denn wir brauchen auf jeden Fall mehr Arbeitsplätze. Bisher verhindern gerade SPD und CDU im Rat der Stadt das kostenlose Parken für Pendler. Aber das ist doch auch klar, stellen doch die verhassten Kommunisten jedes Jahr den gleichen Antrag. Das kostenlose Parken am Hbf. für Pendler kann nur dann erreicht werden, wenn die Pendler bzw. die Bürger Bottrops Druck auf die Parteien machen.

SINNliches und überSINNliches aus dem IVY Verlag

Im zweiten Teil unserer Interview-Reihe (Teil 1) mit Bottroper Unternehmern geht es diesmal um den IVY Verlag, der SINNliche und überSINNliche Kinderbücher vertreibt. Gründerin des Verlags ist Daniela Rühl, die auch selber unter dem Namen Minna McMaster Bücher verfasst.

Der Willy vom Bottblog: Was muss man sich unter deinem Verlag vorstellen? Was macht den IVY Verlag anders als andere Verlage?

Daniela: Unser Verlag ist eine Alternative zu den großen Verlagsprogrammen für besondere Bücher. Unser Programm besteht aus SINNlichen und überSINNlichen Büchern.

SINNlich meint dabei Bücher, welche die Wahrnehmung fördern. Damit ist aber keine Holzhammerpädagogik gemeint, der Spaß steht dabei im Vordergrund. Konkret sind das z.B. Massagebilderbücher, also Bilderbücher mit Massageanleitungen, d.h. die Geschichten werden auf dem Rücken erzählt (siehe auch das Foto von der Lesung). Das fördert die sozialen und taktilen Fähigkeiten der Kinder.

Und überSINNlich steht für fantastische Geschichten, z.B. über Werwölf, Engel oder Vampire, die jeweils Parabeln zu wirklichen Leben sind.

Minna McMaster

Minna McMaster

Für das Bilderbuch ’Im Dunkeln’, das Kindern die Angst vorm Dunkeln nehmen soll, haben wir erst kürzlich den Buchpreis der Stiftung Buchkunst bekommen.

Willy: Wie bist du auf die Idee mit dem Verlag gekommen?

Daniela: Ich habe vor einiger Zeit unter dem Namen Minna McMaster zusammen mit Joachim Friedrich ein Massagebilderbuch geschrieben, das anderen Verlagen aber entweder zu speziell oder zu pädagogisch war.

Daher kam die Idee, diese Bücher in einem eigenen Verlag zu veröffentlichen.

Darüber hinaus bin ich gelernte Entspannungspädagogin, daher gibt es gewisse Überschneidungen zum Konzept des Verlags.

Willy: Welche anderen Autoren verlegt ihr sonst noch?

Daniela: Da ist z.B. Julia Dürr, die Illustratorin von ‘Im Dunkeln’ oder Fritzi Bender, die demnächst bei uns ein Buch mit dem Titel ‘Balduin bleibt grün’ über ein Chamäleon veröffentlicht, das die Farbe nicht wechseln will

Willy: Seit wann besteht der IVY Verlag?

Daniela: Den IVY Verlag gibt es seit Oktober 2006.

Willy: Und wie läuft es so? Besteht für so spezielle Bücher ein ausreichender Bedarf?

Daniela: Zuerst habe ich auch ein bisschen gezweifelt, aber im Prinzip hängt alles vom Bekanntheitsgrad ab. Je mehr Leute über unser Programm Bescheid wissen, desto mehr Leute kaufen auch bei uns. Der Bedarf ist also auf jeden Fall da.

Deswegen versuche ich momentan auch, besonders viel Öffentlichkeitsarbeit zu machen, z.B. über Zeitungs- oder hoffentlich bald auch Fernsehberichte.

Lesung

Lesung

Willy: Wie bist du selber zum Schreiben gekommen?

Daniela: Ich schreibe eigene Geschichten seit ich schreiben kann. Ich habe mir als Kind meine eigenen Gute-Nacht-Geschichten geschrieben.

Willy: Wie bist du auf dein Pseudonym gekommen?

Daniela: Ich hatte im Jahr 2003 schon einmal unter meinem echten Namen veröffentlicht, aber da andere Mitglieder meiner Familie auch schreiben, kam es zu Verwechselungen.

Daher habe ich mich entschlossen, den Namen meiner Großtante anzunehmen, die einen schottischen Major geheiratet hat.

Sie war die erste in meiner Familie, die geschrieben hat Dabei fand ich es passend, ihren Namen anzunehmen, um sie zu ehren und mich gleichzeitig von anderen Familienmitgliedern beruflich abzugrenzen.

Willy: Wie kam es dazu, dass du den IVY Verlag in Bottrop gegründet hast?

Daniela: Ich bin hier aufgewachsen und habe bis auf kurze Unterbrechungen immer hier gelebt. Und ich mag die Stadt einfach. Daher lag das irgendwie nah.

Willy: Was macht die Stadt Bottrop deiner Meinung nach liebenswert?

Daniela: Bottrop ist meine Heimatstadt im besten Sinne. Hier sind meine Familie und meine Freunde. Auf dem Land ist es zwar idyllischer oder in einer Großstadt aufregender, aber ich mag den Menschenschlag hier einfach.

Im Dunkeln

Im Dunkeln

Willy: Gab es besondere Probleme bei der Gründung?

Daniela: Ich kann mich so konkret an keine erinnern. Anfangs wurde mir zwar gesagt, dass in Bottrop nicht die richtige Zielgruppe für so etwas wie den IVY Verlag vorhanden ist, aber dem ist bestimmt nicht so. Ich habe hier schon so eine kleine Fangemeinde.

Willy: Und was hältst du vom übrigen kulturellen Leben in Bottrop?

Daniela: Was Kneipen, Discos oder Kino angeht, ist es eher mau. In der Aula des Josef-Albers-Gymnasiums sind allerdings regelmäßig gute Theaterstücke zu sehen.

Schön fände ich noch ein bisschen mehr Kleinkunst.

Generell mangelt es eigentlich nicht am kulturellen Angebot, Bottrop wird teilweise sogar von außerhalb gelobt (Anm.: ‘Hört, hört!’), z.B. wenn man in ähnlich große Städte in Schleswig Holstein oder Baden-Württemberg kommt.

Bottrop hat halt auch den Vorteil – wie jede Ruhrgebietsstadt – dass man Angebote der anderen Städte nutzen kann. Das ist zwar für die Organisatoren solcher Veranstaltungen hart, aber für mich als Konsumentin natürlich toll.

Als Verlegerin habe ich eher wenig Konkurrenz. Man nimmt sich im regionalen Bereich nichts weg, da der deutschsprachige Markt sowieso einfach so groß ist.

Willy: Hättest du Wünsche für das kulturelle und geschäftliche Angebot von Bottrop?

Daniela: Ein Kino wäre fantastisch. Und es wäre schön, wenn es mehr kleinere Läden und Geschäfte mit ganz speziellen Angeboten gäbe.

Anne Emscher: Da wo echte Kunst keine Chance hat

botmarketingweb

Korrektur: machen – machten

Der Regionalverband Ruhr hat entschieden: Die Alien Figuren auf der Halde Beckstraße in Batenbrocken müssen verschwinden und werden noch diese Woche von Landschaftsgärtnern entfernt.
Damit nimmt dann die Kopfgeburt von Prof.Wolfgang Christ wieder den Platz alleine ein, der ihr eigentlich niemals so richtig gebührt hat.
Eigeninitiative und eigenständiges kulturelles Engagement haben anne Emscher hingegen scheinbar keinen Platz. Kultur wird von oben herab entschieden und muss richtig viel kosten, sonst ist es halt keine Kultur. Basta!
Im Artikel bei DerWesten stellt Ulrich Carow, Umweltfachbereichsleiter beim Regionalverband Ruhr sehr treffend dar, mit welch arroganter Einstellung man bei dieser Organisation gesegnet ist: “”Das Tetraeder ist ja nicht die einzige Landmarke in unserem Besitz”, sagte Carow, “wir stünden bei ähnlichen Aktionen an den anderen Standorten wieder und wieder vor einer neuen Diskussion”.”
Und was ist daran bitte schlecht? Genau: Der RVR käme in der Rechnung nicht vor! Der RVR will hier offensichtlich einen Alleinvertretungsanspruch für Kultur vertreten, denn wofür sonst sollen sonst die ganzen schönen Steuergelder ausgegeben werden, wenn nicht für teure Leuchtturmprojekte?
Formell ist zwar richtig, dass dem RVR das Gelände auf der Halde Beckstraße gehört und er daher bestimmen darf, was dort oben passiert. Aber wem gehört nochmal der RVR? Und ist das, was jetzt dort geschieht, im Sinne des Besitzers (zumal die Abräumaktion selbstverständlich auch wieder Geld kosten wird)?
Von Björn

Von Bottrop lernen …

Eine Delegation aus dem schönen Kamerun war kürzlich in Bottrop zu Besuch, um sich vom designierten Bottroper Oberbürgermeister in die geheimnisvolle Welt der hiesigen Stadtplanung einweihen zu lassen. Als Beispiel für erfolgreiche Stadtplanung unter Zusammenarbeit mit Landesregierung und Nachbarstädten diente unter anderem die geplante Ansiedlung einer Fachhochschule in Bottrop.

Na, da kann man den Kamerunern wohl nur viel Glück bei der eigenen Stadtplanung wünschen. Bei derart geballter Kompetenz kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.

Hierzu schreibt Angelika Wienert:
So wat …
Da kommen die aus Kamerun bis na BOT anne Emscher, weil die au sonne schöne Innenstadt ham wolln? Wolln die etwa au sonn Hansa-Zentrum? Au sonn altet Paakhaus? Au so kaputte Straßen (siehe Schlachlöcher anne Osterfelder Straße)? Au so Leerstände? Ham die in Kamerun keine Schlachlöcher? Wissen die nich wie so wat geht? Dat man einfach nur nix mehr reparieren muss und dann aber ganz sicher allet vergammelt? Oder solln wir hier allet so machen wie in Kamerun? Oder isset ganz anders? …

Anne Emscher is die Welt noch in Ordnung

pferdemarkt1964

“”Das Hauptgebäude der Sparkasse ist in die Jahre gekommen und bedarf der Renovierung. Einen einstelligen Millionen-Betrag wird das Institut ausgeben, „und wann immer möglich als Aufträge an die heimischen Betriebe vergeben”, wie Sparkassen-Chef Thomas Schmidt ankündigt. Er sieht darin einen Beitrag zur Bewältigung einer Wirtschaftskrise, die in Bottrop gegenwärtig nicht flächendeckend, punktuell aber dennoch bereits aufzieht.“”
BOT-WAZ, 6. Februar 2008

Oberbürgermeister Peter Noetzel beklagt in diesem Zusammenhang besonders, dass die Gründe, die die Stadt immer wieder in finanzielle Bedrängnis brächten, zum großen Teil von der Stadt selbst nicht zu beeinflussen seien. So habe es im vierten Quartal des laufenden Jahres einen massiven Einbruch bei den Gewerbesteuern gegeben, was als Vorbote der sich ankündigenden Wirtschaftskrise zu werten sei.
www.bottrop.de
, 11.12.2008

“Die USA sind von Bottrop und Kirchhellen weit weg”, sagt Werner Münstermann vom Vorstand der Volksbank Kirchhellen. Deshalb glaubt er auch nicht, dass die Auswirkungen der Krise in dieser Stadt zu spüren sein werden.”
BOT-WAZ, 18.09.2008

Anne Emscher is die Welt noch in Ordnung

Immer wenn man aus ner echten Großstadt zurück nach Bottrop kommt, merkt man gleich:

In Bottrop anne Emscher ‘is die Welt noch in Ordnung’™. Hier herrscht noch wahrhaft kleinstädtische Idylle, ist der Weg des Rosenmontagszugs gleichbedeutend mit Weltpolitik und man käme auch nicht im Traum darauf, ne geschälte Currywurst zu essen.

Bottrop anne Emscher inne Weltpresse

“FernUni-Forscher erstellen für die Heinrich-Böll-Stiftung das erste Genderranking (Gleichstellung von Frauen und Männern) deutscher Großstädte. Dabei schneiden Frauen ziemlich mies ab. (…)
Das Forschungsteam des Lehrgebiets Politikwissenschaft IV: Politik und Verwaltung der FernUniversität hat im Rahmen seiner Untersuchung in einem ersten Schritt die Internetseiten der Großstädte erfasst, statistisch ausgewertet und fehlende Daten durch Vor-Ort-Recherchen ergänzt.
Demzufolge liegt der Frauenanteil unter allen Ratsmitgliedern in deutschen Großstädten bei 32,8 %. Bei den Ausschussvorsitzenden ist nur noch einen Frauenanteil von 25,9%, bei den Fraktionsvorsitzenden von 20,6 %, bei den Dezernentinnen und Dezernenten von 18,5% und bei den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern von 17,7 % zu verzeichnen.
Ein weiteres Ergebnis besagt, dass die Stadt Frankfurt am Main deutliche Siegerin im Kommunalenbereich ist. (…) Der Kontrastfall hierzu ist die Stadt Salzgitter. Sie kommt mit der minimal möglichen Punktzahl auf den 79sten und letzten Platz des Gender-Rankings. (…)
Hinter Frankfurt liegen auf den Plätzen zwei bis vier München, Erlangen, Lübeck und Düsseldorf. Vor Salzgitter platzieren sich [auf den letzten Plätzen] Bottrop, Duisburg, Mönchengladbach und Jena.”
Quelle: brikada, magazin für frauen, 5.2.2009
Ranking-Liste als pdf-Dokument herunterladen

Made im Ruhrpott: Frl. Pfefferstielzchen

In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wird es hier demnächst ein paar Interviews mit Bottroper Unternehmen geben. Den Anfang macht die Gründerin des Bottroper Labels Frl. Pfefferstielzchen Isabell Stanic. Nun also ohne große Umschweife zum Interview:

Der Willy vom Bottblog: Kannst du vielleicht zu Anfang kurz erklären, worum es bei Frl. Pfefferstielzchen geht und wie du zu der Idee gekommen bist?

Frl. Pfefferstielzchen

Das Atelier-Geschäft von außen

Isabell: Angefangen hat das so, dass ich überlegt habe, was ich meiner Nichte zum Geburtstag schenken kann. Ich wollte allerdings keine Massenprodukte à la Lilifee, Bob der Baumeister und Co., sondern etwas einzigartiges. Und da bin dann halt auf die Idee gekommen, selber Unikate anzufertigen. Ich hatte schon seit längerem alte Stoffe gesammelt. Außerdem habe ich eine Zeit lang in L.A. gearbeitet, wo ich Stoffe im Retro-Look gesammelt habe.

Und daraus entstand dann letztendlich die Idee, ein Unikatlabel, zunächst für Kinderkleidung und Stofftiere zu eröffnen. Später kamen dann noch Taschen, Accessoires und mittlerweile auch Damentaschen und Damenbekleidung hinzu.

Anfangs lief der Vertrieb über das Internet, Kunstmärkte und Messen. Im April 2008 habe ich dann das Atelier-Geschäft an der Kirchhellener Str. 20 eröffnet. Mittlerweile wird Frl. Pfefferstielzchen auch über weitere Ladengeschäfte in Erfurt, Köln und Frankfurt vertrieben.

Frl. Pfefferstielzchen

Das Atelier-Geschäft von innen

Das besondere an Frl. Pfefferstielzchen ist, dass die Kunden mitdesignen können. Bei mir gibt es nur Unikate und keine Serienprodukte. Ich beschäftige 3 ausgebildete Schneiderinnen. Eine Herausforderung ist es auf jeden Fall, den Spagat zwischen Wert und Erschwinglichkeit hinzukriegen. Meine Produkte sind auf jeden Fall Luxusartikel, sollen aber trotzdem erschwinglich sein.

Frl. Pfefferstielzchen ist ein Ruhrgebietslabel, ich sag immer ‘Made im Ruhrpott’. Der Ruhrpott steckt in all meinen Unikaten, weil ich die Stoffe im Ruhrgebiet von Tante Erna und Co.  sammle

Willy: Was hast du ursprünglich mal gelernt?

Isabell: Ich bin gelernte Reiseverkehrskauffrau und habe vorher unter anderem in Oberhausen und Essen in Reisebüros gearbeitet und war viel für Reiseveranstalter in der Welt unterwegs. Dann habe ich noch 2 Jahre in L.A. in einem Reisebüro gearbeitet. Danach bin ich wieder zurück nach Deutschland gekommen und habe bei einer Firma für Elektrotechnik-Bauteile im Vertrieb gearbeitet. Beruflich war ich also im Vertrieb und Marketing aktiv. Das Interesse für Design und Stoffe war zunächst erstmal privater Natur.

Willy: Woher bekommst du die Stoffe genau?

Isabell: Zum einen über Auflösungen. Zum anderen übers Internet, und Flohmärkte. Außerdem bekomme ich etliche Reaktionen über die TV-Beiträge über Frl. Pfefferstielzchen. Viele Leute wollen mir oft ihre alten Stoffe schenken. Die bekommen dann z.B. ein Stofftier von mir als Dankeschön. Viele Retro-Stoffe mit alten 70er Jahre Motiven beziehe ich aus den USA. Ich lebe von den Stoffen, weil eben die Stoffe Frl. Pfefferstielzchen zu etwas besonderem machen.

Willy: Wie kam es eigentlich zu dem Namen Frl. Pfefferstielzchen?

Isabell: Ich wollte auf jeden Fall einen Namen, mit dem man einen Charakter und ein Bild verbinden kann. Zudem sollte es zu dem Namen eine Geschichte geben, die mittlerweile auch auf der Website von Frl. Pfefferstielzchen zu finden ist.

Zu dem Namen kam es dann nach anderthalb Flaschen Wein zusammen mit einer Freundin. Da wusste ich auch direkt: Das ist es! Inzwischen ist Frl. Pfefferstielzchen auch eine eingetragene Wort-, Bildmarke.

Willy: Was war der Grund für dich, deinen Laden in Bottrop zu eröffnen?

Isabell: Zunächst einmal bin ich gebürtige Bottroperin, daher lag das für mich nahe. Ein weitere Option wäre Essen Rüttenscheidt gewesen, weil Bottrop an sich nicht so die Designstadt ist, die dafür bekannt ist, offen für Neues zu sein. Da ich ja damals schon den Online-Shop hatte, war das aber erst einmal zweitrangig.

Ich liebe den Bottroper Rathausplatz und wollte unbedingt einen alten Laden mit Stuck haben. Die Entscheidung für das Ladenlokal kam dann aus dem Bauch heraus. Der Laden ist gewissermaßen zu mir gekommen und ich wusste direkt, das ist das Richtige für mich.

Die ganze Logistik ist so einfacher zu handhaben, weil meine Schneiderinnen auch alle aus Bottrop kommen.

Mit dem Laden habe ich eine wunderschöne Lage in Bottrop getroffen, insbesondere weil ich nicht an die Hochstr. musste.

Zu mir kommt man auch eher gezielt. Man rechnet halt nicht damit, so etwas in Bottrop zu finden, aber über Mundpropaganda kommen mittlerweile sogar Leute aus Aachen und Kassel nach Bottrop in meinen Laden. Ich glaube, dass nur so kleine und individuelle Läden wie meiner neue Leute nach Bottrop ziehen, nicht irgendwelche Handy-Ketten oder Kaufhäuser, denn die gibt es in jeder Stadt. Ich meine, ein Viertel meiner Ladenkunden kommt nicht aus Bottrop!

Frl. Pfefferstielzchen

Blick auf den Rathausplatz

Willy: Was siehst du für Probleme speziell in Bottrop?

Isabell: Da ist a.) die niedrigere Kaufkraft in Bottrop im Vergleich zu den umliegenden Städten und b.) rechnet erst einmal keiner damit, in Bottrop einen besonderen Laden zu finden. Das ist aber kein spezielles Problem in Bottrop. Es ist halt so, dass, viele Leute erstmal in Einkaufszentren oder in die Niederlande fahren, um einzukaufen. Das ist aber durchaus ein Problem, mit dem das gesamte Ruhrgebiet zu kämpfen hat.

Willy: Gibt es deiner Meinung nach etwas, was man in Bottrop in dieser Hinsicht verbessern könnte?

Isabell: Sinnvoll wäre z.B., das Stadtmarketing eher auf kleinere, individuelle Sachen zu konzentrieren und diese vielleicht in einem zusammenhängenden Straßenzug anzusiedeln wie z.B. in Essen Rüttenscheidt. Es ist denke ich wichtig, dass man nicht nur darauf abzielt, die Bottroper nicht zu verlieren. Man muss auch Einwohner anderer Städte nach Bottrop locken, und das eben nicht nur an Halloween oder sonstigen Feiertagen.

Willy: Was hältst du vom kulturellen Angebot in Bottrop?

Isabell: Das kulturelle Angebot in Bottrop beschränkt sich schon sehr stark auf Innenstadt. Naja und das Extrablatt ist ja so besonders, gibt’s ja sonst nirgends. Und zum Woodpecker’s Roadhouse in Grafenmühle fährt man ja auch nicht mal so eben hin. Das Passmanns ist eigentlich die einzige Szenekneipe in Bottrop.

Vielleicht wird ja die Rathausschänke wieder zu neuem Leben erweckt. Eine schöne Ruhrpottkneipe fehlt uns noch!

Ich meine, ich bin born and raised in Bottrop. Ich meckere zwar auch immer über Bottrop, verteidige aber Bottrop auch – gerade gegen Kritik von außerhalb – bis aufs Blut. Ich finde, wir müssen das, was wir haben, mehr herausstellen, z.B. den Tetraeder oder wie ich letztens noch gelesen habe: ‘Dem Bottrop sein Gizeh’