Made im Ruhrpott: Frl. Pfefferstielzchen
2. Februar 2009 – 12:39In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wird es hier demnächst ein paar Interviews mit Bottroper Unternehmen geben. Den Anfang macht die Gründerin des Bottroper Labels Frl. Pfefferstielzchen Isabell Stanic. Nun also ohne große Umschweife zum Interview:
Der Willy vom Bottblog: Kannst du vielleicht zu Anfang kurz erklären, worum es bei Frl. Pfefferstielzchen geht und wie du zu der Idee gekommen bist?
Isabell: Angefangen hat das so, dass ich überlegt habe, was ich meiner Nichte zum Geburtstag schenken kann. Ich wollte allerdings keine Massenprodukte à la Lilifee, Bob der Baumeister und Co., sondern etwas einzigartiges. Und da bin dann halt auf die Idee gekommen, selber Unikate anzufertigen. Ich hatte schon seit längerem alte Stoffe gesammelt. Außerdem habe ich eine Zeit lang in L.A. gearbeitet, wo ich Stoffe im Retro-Look gesammelt habe.
Und daraus entstand dann letztendlich die Idee, ein Unikatlabel, zunächst für Kinderkleidung und Stofftiere zu eröffnen. Später kamen dann noch Taschen, Accessoires und mittlerweile auch Damentaschen und Damenbekleidung hinzu.
Anfangs lief der Vertrieb über das Internet, Kunstmärkte und Messen. Im April 2008 habe ich dann das Atelier-Geschäft an der Kirchhellener Str. 20 eröffnet. Mittlerweile wird Frl. Pfefferstielzchen auch über weitere Ladengeschäfte in Erfurt, Köln und Frankfurt vertrieben.
Das besondere an Frl. Pfefferstielzchen ist, dass die Kunden mitdesignen können. Bei mir gibt es nur Unikate und keine Serienprodukte. Ich beschäftige 3 ausgebildete Schneiderinnen. Eine Herausforderung ist es auf jeden Fall, den Spagat zwischen Wert und Erschwinglichkeit hinzukriegen. Meine Produkte sind auf jeden Fall Luxusartikel, sollen aber trotzdem erschwinglich sein.
Frl. Pfefferstielzchen ist ein Ruhrgebietslabel, ich sag immer ‘Made im Ruhrpott’. Der Ruhrpott steckt in all meinen Unikaten, weil ich die Stoffe im Ruhrgebiet von Tante Erna und Co. sammle
Willy: Was hast du ursprünglich mal gelernt?
Isabell: Ich bin gelernte Reiseverkehrskauffrau und habe vorher unter anderem in Oberhausen und Essen in Reisebüros gearbeitet und war viel für Reiseveranstalter in der Welt unterwegs. Dann habe ich noch 2 Jahre in L.A. in einem Reisebüro gearbeitet. Danach bin ich wieder zurück nach Deutschland gekommen und habe bei einer Firma für Elektrotechnik-Bauteile im Vertrieb gearbeitet. Beruflich war ich also im Vertrieb und Marketing aktiv. Das Interesse für Design und Stoffe war zunächst erstmal privater Natur.
Willy: Woher bekommst du die Stoffe genau?
Isabell: Zum einen über Auflösungen. Zum anderen übers Internet, und Flohmärkte. Außerdem bekomme ich etliche Reaktionen über die TV-Beiträge über Frl. Pfefferstielzchen. Viele Leute wollen mir oft ihre alten Stoffe schenken. Die bekommen dann z.B. ein Stofftier von mir als Dankeschön. Viele Retro-Stoffe mit alten 70er Jahre Motiven beziehe ich aus den USA. Ich lebe von den Stoffen, weil eben die Stoffe Frl. Pfefferstielzchen zu etwas besonderem machen.
Willy: Wie kam es eigentlich zu dem Namen Frl. Pfefferstielzchen?
Isabell: Ich wollte auf jeden Fall einen Namen, mit dem man einen Charakter und ein Bild verbinden kann. Zudem sollte es zu dem Namen eine Geschichte geben, die mittlerweile auch auf der Website von Frl. Pfefferstielzchen zu finden ist.
Zu dem Namen kam es dann nach anderthalb Flaschen Wein zusammen mit einer Freundin. Da wusste ich auch direkt: Das ist es! Inzwischen ist Frl. Pfefferstielzchen auch eine eingetragene Wort-, Bildmarke.
Willy: Was war der Grund für dich, deinen Laden in Bottrop zu eröffnen?
Isabell: Zunächst einmal bin ich gebürtige Bottroperin, daher lag das für mich nahe. Ein weitere Option wäre Essen Rüttenscheidt gewesen, weil Bottrop an sich nicht so die Designstadt ist, die dafür bekannt ist, offen für Neues zu sein. Da ich ja damals schon den Online-Shop hatte, war das aber erst einmal zweitrangig.
Ich liebe den Bottroper Rathausplatz und wollte unbedingt einen alten Laden mit Stuck haben. Die Entscheidung für das Ladenlokal kam dann aus dem Bauch heraus. Der Laden ist gewissermaßen zu mir gekommen und ich wusste direkt, das ist das Richtige für mich.
Die ganze Logistik ist so einfacher zu handhaben, weil meine Schneiderinnen auch alle aus Bottrop kommen.
Mit dem Laden habe ich eine wunderschöne Lage in Bottrop getroffen, insbesondere weil ich nicht an die Hochstr. musste.
Zu mir kommt man auch eher gezielt. Man rechnet halt nicht damit, so etwas in Bottrop zu finden, aber über Mundpropaganda kommen mittlerweile sogar Leute aus Aachen und Kassel nach Bottrop in meinen Laden. Ich glaube, dass nur so kleine und individuelle Läden wie meiner neue Leute nach Bottrop ziehen, nicht irgendwelche Handy-Ketten oder Kaufhäuser, denn die gibt es in jeder Stadt. Ich meine, ein Viertel meiner Ladenkunden kommt nicht aus Bottrop!
Willy: Was siehst du für Probleme speziell in Bottrop?
Isabell: Da ist a.) die niedrigere Kaufkraft in Bottrop im Vergleich zu den umliegenden Städten und b.) rechnet erst einmal keiner damit, in Bottrop einen besonderen Laden zu finden. Das ist aber kein spezielles Problem in Bottrop. Es ist halt so, dass, viele Leute erstmal in Einkaufszentren oder in die Niederlande fahren, um einzukaufen. Das ist aber durchaus ein Problem, mit dem das gesamte Ruhrgebiet zu kämpfen hat.
Willy: Gibt es deiner Meinung nach etwas, was man in Bottrop in dieser Hinsicht verbessern könnte?
Isabell: Sinnvoll wäre z.B., das Stadtmarketing eher auf kleinere, individuelle Sachen zu konzentrieren und diese vielleicht in einem zusammenhängenden Straßenzug anzusiedeln wie z.B. in Essen Rüttenscheidt. Es ist denke ich wichtig, dass man nicht nur darauf abzielt, die Bottroper nicht zu verlieren. Man muss auch Einwohner anderer Städte nach Bottrop locken, und das eben nicht nur an Halloween oder sonstigen Feiertagen.
Willy: Was hältst du vom kulturellen Angebot in Bottrop?
Isabell: Das kulturelle Angebot in Bottrop beschränkt sich schon sehr stark auf Innenstadt. Naja und das Extrablatt ist ja so besonders, gibt’s ja sonst nirgends. Und zum Woodpecker’s Roadhouse in Grafenmühle fährt man ja auch nicht mal so eben hin. Das Passmanns ist eigentlich die einzige Szenekneipe in Bottrop.
Vielleicht wird ja die Rathausschänke wieder zu neuem Leben erweckt. Eine schöne Ruhrpottkneipe fehlt uns noch!
Ich meine, ich bin born and raised in Bottrop. Ich meckere zwar auch immer über Bottrop, verteidige aber Bottrop auch – gerade gegen Kritik von außerhalb – bis aufs Blut. Ich finde, wir müssen das, was wir haben, mehr herausstellen, z.B. den Tetraeder oder wie ich letztens noch gelesen habe: ‘Dem Bottrop sein Gizeh’






10 Reaktionen auf “Made im Ruhrpott: Frl. Pfefferstielzchen”
Tolle Idee! Frl. Pfefferstielzchen hat meine vollsten Sympathien!
Von Der Dicke Bert am Feb 2, 2009
Ich find´s auch cool und wünsche der Isabell viel Erfolg hier in Bottrop anne Emscher!
Von Ruhri am Feb 2, 2009
Gefällt mir!
Diese Ladenketten sind ja sooooo langweilig. Endlich mal etwas Ausgefallenes!
Von Angelika Wienert am Feb 2, 2009
Geli, und der Ausblick aussem Laden ist unbezahlbar! Ich hoffe, das Mädel hat Erfolg!
Von Ruhri am Feb 2, 2009
Also ich find den Laden super. Nirgendwo in Bottrop und Umgebung bekommt man sowas geboten..Hallo wie geil ist das denn, man kann mal eben ne Runde selbst bei Fräulein Pfefferstielzchen designen!!!
Sowas wünscht sich doch jede Frau, die wie verrückt auf der Suche nach einer richtig coolen, besonderen Tasche sind!!!!
Deswegen bin ich auch der Meinung das der Laden aufjedenfall voll der Kracher in Bottrop wird!! Ist doch aufjedenfall besser als all die blöden Handy- und Omalädchen! Mal was richtig cooles!!
Von cloe am Feb 3, 2009