Tetraeder-Rettung: Das Parkhaus am Bahnhof muss weg!
21. Februar 2009 – 18:31„Das ist Horror pur!“ Kunstprofessor Jörg Große-Böttelberg war völlig außer sich, als er heute am Hauptbahnhof in Bottrop ankam und vom Dach des Parkhauses einen Blick auf den Tetraeder wagte. Als Exekutor (Vollstrecker) der RVR-Aktion „Rettet den Tetraeder als Kunstwerk!“ musste er mit eigenen Augen sehen, wie die Laternen auf dem Parkhaus-Dach den Blick auf das Stahlgestänge verschandeln.
Für den Fachmann von der Gebrüder-Gerdes-Gesamtfachhochschulakademie in Tröpplingen bei Merseburg war deshalb sofort klar: „Das Parkhaus muss weg!“ Damit hat der vom Tetraeder-Besitzer RVR mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Exekutor eine weitere Entscheidung getroffen, um seien Mission zu erfüllen. Die lautet laut Große-Böttelberg: „Das Tetraeder-Werk von meinem Professor-Kollegen Wolfgang Christ muss auch weit über das Halden-Plateau hinaus als gesamt künstlerische Inszenierung unverfälscht bleiben.“ Im Klartext: Von jedem Punkt in Bottrop müsse der Tetraeder ohne „störendes Beiwerk“ betrachtet werden können. Das Parkhaus sei so ein Beiwerk, urteilte der Gutachter und hatte für die Stadtverwaltung aber auch einen Trost: „Wie ich gehört habe, gibt es ja sowieso riesige Probleme mit dem Parkhaus*. Mit dem Abriss würden also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“
* Zu diesen Problemen ein paar ernsthafte Notizen von David Schraven, der bereits am 9. November 2008 auf der Internetseite Ruhrbarone.de schilderte, wie sich Bottrop von einer Millionen-Rückzahlung für das Parkhaus mit über 200.000 Euro frei gekauft hat. Vorerst.
“Das Parkhaus steht am Bottroper Hauptbahnhof. Es hat 396 Plätze. Neun Stockwerke in Beton und Gitterstahl. Das Land NRW förderte die Anlage mit 3,8 Mio Euro. Das Parkhaus wurde für Pendler gebaut, die mit dem Auto zum Bahnhof fahren wollen, um weiter mit dem Zug zur Arbeit zu reisen.
Wirtschaftlich ist das Parkhaus ein Desaster. Nach meinen Informationen liegt die Auslastung nach der letzten offiziellen Erhebung der Stadt Bottrop bei 30,5 Prozent. Es werden nach Angaben der Stadt im Jahr rund 20.000 Euro erlöst. Die Kosten liegen bei 90.000 Euro. Ich habe mir die Akten des Parkhauses durchgesehen. Detailliert.
Normalerweise müssten diese Daten für die klamme Stadt ernste Folgen haben. Denn nach dem Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung Münster vom 15. Juni 2005, sollte die Stadt bis 2008 eine Auslastung von 80 Prozent nachweisen. Da dieser Wert nicht erreicht wird, müsste die Stadt laut Bescheid eigentlich rund 2,4 Mio Fördermittel an das Land zurückzahlen. Doch trotz der klaren Regel ist diese Zahlung in diesem Jahr nicht fällig geworden. Die Stadt konnte die zu unrecht bezahlten Millionen behalten…
Statt die Fehlplanung einzugestehen, macht der Bottroper erste Beigeordnete Bernd Tischler für die mangelhafte Belegung in einem Schreiben an den VRR vor allem äußere Gründe verantwortlich. So gebe es zu viele kostenlose Parkplätze in der Umgebung. Die Betreuung durch die Angestellten sei zu schlecht, und es habe Streiks bei der Bahn gegeben. Sprich: Alle anderen waren schuld, nur nicht die Stadtverwaltung.
Der VRR geht auf die Beschwerden von Tischler ein. Am 4. September (2008) unterschreiben VRR-Chef Martin Husmann und Bottrops erster Beigeordneter Tischler eine windelweiche Vereinbarung. Demnach wird die letzte Rate der Fördergelder in Höhe von 220.000 Euro nicht an die Stadt Bottrop ausgeschüttet. Im Gegenzug verzichtet der VRR als Aufsichtsbehörde auf eine Rückzahlung der 2,4 Mio Euro. Gleichzeitig soll bis Mitte 2010 nicht mehr die Auslastung des Parkhauses kontrolliert werden. Und die Stadt hat bis maximal 2012 Zeit eine Auslastung von 80 Prozent nachzuweisen.
Bis dahin, so darf man annehmen, fragt keiner mehr nach, was aus 3,8 Mio Euro Steuern geworden ist, die in einem fast leeren Parkhaus in Bottrop verbrannt wurden…“
http://www.ruhrbarone.de/verschwendete-millionen-in-bottrop
Am Standort des Parkhauses gab es schon vor seinem Bau eine gewisse Parkplatz-Nachfrage
* Hierzu schreibt Ulrich Kunold von der DKP-Ratsfraktion:
Seit Jahren, schon bevor das Parkhaus gebaut wurde, fordere ich im Namen der DKP-Ratsfraktion im Bau- und Verkehrsausschuss, dass das Parken für Pendler im Parkhaus am Hbf. kostenlos sein soll. Dies macht aus mehreren Gründen Sinn. Erstens liegt der Hbf. nicht zentral und fast jede Anbindung mit dem Bus aus den verschiedensten Stadtteilen Bottrops erfolgt mit einem Umweg über den ZOB. Zweitens ist es aus Klimaschutzgründen sinnvoll vom Pkw auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, was die Stadt Bottrop aber den Pendlern mit ihrer Politik schwer macht. Drittens wäre die Auslastung des Parkhauses höher und Steuergelder wären somit gut angelegt. Wenn Herr Grasedieck sich auf den Gleichheitsgrundsatz bzgl. der Fahrradfahrer beruft, sucht er nur nach Argumenten, um die Unsinnigkeit der Stadt Bottrop zu rechtfertigen. Schließlich muss in der Fahrradstation zusätzlich zu den Kosten Strom, etc. auch noch das Personal bezahlt. Aber vielleich wäre es auch sinnvoll für das Parkhaus Personal einzustellen, denn wir brauchen auf jeden Fall mehr Arbeitsplätze. Bisher verhindern gerade SPD und CDU im Rat der Stadt das kostenlose Parken für Pendler. Aber das ist doch auch klar, stellen doch die verhassten Kommunisten jedes Jahr den gleichen Antrag. Das kostenlose Parken am Hbf. für Pendler kann nur dann erreicht werden, wenn die Pendler bzw. die Bürger Bottrops Druck auf die Parteien machen.




4 Reaktionen auf “Tetraeder-Rettung: Das Parkhaus am Bahnhof muss weg!”
Oberbürgermeister Tischler macht also äußere Faktoren für die mangelnde Auslastung des Parkhauses verantwortlich. Kann schon sein, aber:
1.) Sollte eine gewissenhafte Planung solche Eventualitäten mit einbeziehen.
2.) Sind solche Faktoren bei allen Arten von Unternehmungen gegeben. Herzlich willkommen im wahren Leben Herr Tischler!
3.) Ist das Argument mit den kostenlosen Parkplätzen wohl der Gipfel der Unverschämtheit. Diese Parkplätze hat es dort auch schon vorher gegeben, hätte man also einplanen können.
Aber is ja egal, zahlen ja eh alles die Doofen. Und im Nachhinein kann man auch noch die ganzen kostenlosen Parkplätze einkassieren, also zwei Fliegen mit einer Klappe.
Dat is ungefähr so, wie wenn Opel jetzt seine Mitarbeiter losschicken würde, um an allen BMW Karossen die Luft aus den Reifen zu lassen, in der Hoffnung, dass das Geschäft dann besser läuft.
Von Bjoern am Feb 21, 2009
@Ulrich Kunold Ich kann – als täglicher Nutzer der Bahn, der abends allerdings zur buslosen Zeit nach 22.30 Uhr zum Hbf Bottrop zurückkehrt, Ihre Argumentation nur voll unterstützen. Kann es sein, dass der politische Wille zur Veränderung deshalb fehlt, weil die meisten Rats-Damen und -Herren den ÖPNV tunlichst meiden?
Von Bernd aus dem Eigen am Feb 21, 2009
Genau! Der Wille zur Veränderung ist ja leider da, nämlich den Nahverkehr in Bottrop kaputt zu sparen. Das ist eine Enteignung der Bürger. Sie müssen jedes Jahr mehr für ein Angebot blechen, das von den Politikern im Bottroper Verkehrsausschuss und im Rat immer weiter zusammengestrichen wird. Denn es ist nicht die Vestische oder irgendein nebulöses Gebilde VRR, das die Fahrpläne kaputt macht. Es sind vielmehr jene Bottroper Politiker, für die ein Bus meist nur ein lästiges Verkehrshindernis ist, das sie beim flotten Autofahren schon mal bremst.
Von Pferdemarkt am Feb 22, 2009
@ulrich kunold
3 x gut für diesen beitrag
nicht erst seit den ” grimm`s märchen ” habe ich das gefühl , daß nur die DKP in bottrop die
bürger ehrlich vertritt.
von skandalen der DKP habe ich noch nie gehört
( davon wurde auch in fachkreisen nicht gemunkelt )
verhasst sind die kommunisten auch nur bei den politischen gegnern,deren dreck am stecken ja immer durch die DKP öffentlich gemacht wird
ich als bottroper jung bin froh daß es die DKP hier im rathaus gibt.
weiter so
Von botti am Feb 24, 2009