Alternative zum Kindergarten: Kindertagespflege in Bottrop

27. Februar 2009 – 14:00 von Bjoern

Im nun schon dritten Teil unserer kleinen Interview-Reihe mit Bottroper Unternehmern (Teil 1, Teil 2) geht es um die Kindertagespflegestätte Bottrop am Unterberg 11e, die von Christine Zander betrieben wird.

Der Willy vom Bottblog: Also Christine, erzähl uns doch vielleicht erst einmal, was du eigentlich genau machst.

Christine: Ich betreibe die Kindertagespflegestätte Bottrop. Ich biete Tagespflege für Kinder von 0 bis 3 Jahren bzw. von 3 bis 7 Jahren in den Randzeiten an. Ich betreue momentan 5 Kinder gleichzeitig, das ist auch das Maximum, das ich alleine machen darf.

Die Kinder vermittelt mir der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der in Bottrop für die Organisation der Tagespflege zuständig ist. Jedoch ist das nur ein Teil, weil ich mich selber auf die Suche nach Eltern machen muss, die eine flexible Kinderbetreuung benötigen. Diese erreiche ich durch Werbung (Flyer, Internet usw.) und durch Mund-Propaganda.

Logo

Logo der KiTaS Bottrop

Man kann sich zwar auch ohne Unterstützung des SkF selbständig machen, aber die Antragstellung läuft eben nur über den SkF.

Der Bedarf an Betreuung für Kinder unter 3 Jahren wird auf jeden Fall immer größer, da die Elternzeit auf nur ein Jahr beschränkt wurde und immer mehr Familien nicht mehr mit einem Gehalt auskommen können, da die Lebenserhaltungskosten immer mehr steigen.

Die Eltern erhalten auch Unterstützung, die anhand des Einkommens berechnet und vom Jugendamt gezahlt wird. Eltern zahlen nicht mehr privat an die Tagespflegepersonen, sondern einen normalen Kindergartenbeitrag. Ich bekomme selber einen festen Satz vom Jugendamt für jedes Kind. In anderen Regionen könnte ich auch noch mehr verlangen, aber in Bottrop ist das halt leider nicht drin. Ich meine… wer geht für 3,50 Euro pro Stunde arbeiten und muss sich selber versichern? Die Hälfte geht für Steuern und Versicherungen weg! Und die Anzahl der Kinder ist auch beschränkt – was ja auch gut ist – aber so unterhalte ich niemals einen auf Gewinn ausgerichteten Betrieb. Deswegen stelle ich auch meine Selbständigkeit in Frage.

Was mir momentan noch ein bisschen fehlt, ist Werbung. Meine Homepage demnächst auch noch aktualisiert.

Ansonsten bin ich auch auf der Suche nach einer Geschäftspartnerin, aber leider will sich in der Brancher keiner selbständig machen, alle wollen angestellt werden.

Willy: Woran meinst du liegt das?

Christine: Den meisten Leuten ist das einfach zu risikoreich. Man muss ja zuerst einmal die ganzen Fixkosten wie Miete tragen und dazu sind die Leute einfach nicht mutig genug und irgendwie auch zu träge. Außerdem hat meine Arbeit nichts mit der Arbeit einer klassischen Tagesmutter zu tun. Im herkömmlichen Sinne „arbeitet“ eine Tagesmutter grundsätzlich zu Hause und betreut neben ihren eigenen Kindern ein Tagespflegekind. Sie bekommt nebenher bis zu 600 Euro für ein Kind und braucht keine sozialen Abgaben leisten. Dieses Geld ist nur ein Dazuverdienst. So sieht das der Staat. Macht sich jemand in der Kindertagespflege selbständig und bezieht Räumlichkeiten, fällt er eigentlich aus diesem Rahmen raus. Dafür hat der Staat dieses Tätigkeitsfeld nicht vorgesehen. Frauen wollen zu Hause in ihrer eigenen Familie arbeiten und sich nur was dazuverdienen. Was ich anbiete, hat also nichts damit zu tun. Und Erzieher/innen wollen eingestellt werden – eine Selbständigkeit kommt für sie nicht in Frage.

Dabei wäre zu zweit die Aufnahme von bis zu 10 Kindern und damit auch ein kleiner Gewinn möglich.

Ich habe auch schon über einen WAZ-Artikel nach Geschäftspartnern gesucht, es kamen aber immer nur Leute mit Bewerbungsunterlagen, die wie bereits erwähnt fest angestellt werden wollten

Wir, d.h. mein Mann Michael und ich, haben das hier alles in Eigenleistung und ohne Fördermittel aufgebaut. Die Möbel kommen z.B. aus Kindergärten und wären dort sonst auf dem Sperrmüll gelandet, obwohl die alle noch gut sind und mit ein bisschen Arbeit wieder wie neu aussahen.

 

Hier gibbet noch kostenlose Parkplätze

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Es kamen dabei einfach mehrere glückliche Zufälle zusammen, normal wäre das wohl nicht so einfach möglich gewesen.

Eigentlich sind Tagesstätten zwar günstiger, Kindergärten werden aber generell bevorzugt.

Das Jugendamt zahlt uns halt nur 3,50 pro Stunde pro Kind und darauf müssen wir dann seit Anfang diesen Jahres auch noch ganz normal Steuern zahlen. Man muss in dem Bereich schon eine Menge Idealismus und Freude an Kindern mitbringen.

Manchmal ist das schon ein bisschen bitter. Wir haben anfangs unsere ganzen Ersparnisse aufgebraucht und nach dem jetzigen Stand würde ich mit Arbeitslosenunterstützung dasselbe verdienen.

Willy: Wie lief das bei dir genau mit der Gründung ab?

Christine: Zunächst einmal habe ich im August 2005 eine so genannte Ich AG gegründet und das Ganze zu Hause gemacht, was aber langfristig schwierig mit der Familie zu vereinbaren war. Es war einfach zu privat und die Distanz fehlte ein wenig. Außerdem brauche ich einfach meine Gruppe mit mehreren Kindern. Ich bin mehr Erzieherin als eine klassische Tagesmutter.

Seit letztem Jahr im April sind wir in die neuen Räumlichkeiten am Unterberg 11e gezogen, die wir seit Januar 2008 renoviert haben. Hier haben wir jetzt 130m² Fläche, neun Räume und ein großes Außengelände.

Willy: Wie sieh das eigentlich mit Vertretung aus? Was machst du, wenn du mal krank bist?

Christine: Ich habe bereits ein eigenes Vertretungskonzept erstellt, aber das Jugendamt ist sich da leider mit dem SkF noch nicht ganz einig. Die grundlegende Idee ist, das Ganze quid pro quo zu machen. Also wenn eine Tagesmutter krank wird, springt jemand anders ein. Das funktioniert in anderen Städten hervorragend.

Willy: Was war für dich der Beweggrund, in Bottrop zu gründen?

Kinder

Kinder beim Spielen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christine: In Bottrop ist einfach Bedarf vorhanden und es ist immerhin auch die erste Kindertagespflegeagesstätte in Bottrop gewesen.

Damals wurde ich manchmal ein wenig ausgelacht, aber mittlerweile hat sich halt bewahrheitet, das der Bedarf vorhanden ist.

In Nachbarstädten ist diese Form der Kinderbetreuung bereits etablierter, für die Städte ist das einfach auch eine sehr günstige Alternative im Vergleich zur Kinderbetreuung in Kindergärten.

  1. 4 Reaktionen auf “Alternative zum Kindergarten: Kindertagespflege in Bottrop”

  2. hallöchen, das hört sich alles sehr spannend an. ich bin ähnliche wege gegangen und bin sehr daran interessiert, auch andere “kolleginnen” und konzepte kennen zu lernen. gerne würde ich mir Ihre einrichtung anschauen. Ist das möglich?
    über eine terminvereinbarung würde ich mich freuen. tel. 020 …
    oder email: …

    gruß, gabriele wenzelburger

    Von gabriele am Mai 5, 2010

  1. 3 Trackback(s)

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