Im vierten Teil (Teil 1, Teil 2, Teil 3) unserer Reihe über Bottroper Unternehmer haben wir uns mit Florian Nöll von spendino unterhalten.
Der Willy vom Bottblog: Vielleicht kannst du dich und was du bisher so gemacht hast am Anfang zunächst kurz vorstellen?
Florian: Florian Nöll (25), geboren und aufgewachsen in Bottrop. Als Schüler habe ich in Bottrop mein erstes Unternehmen gegründet. Nach dem Abitur und Zivildienst bin ich zum Studium nach Berlin gezogen, wo ich wahrscheinlich der einzige Autofahrer mit einem Bottroper Kennzeichen bin.
Willy: Worum geht es bei deinem Unternehmen spendino genau?
Florian: spendino ist das einzige Unternehmen in Deutschland, das sich auf den Einsatz von Mobilfunktechnologien für soziale Zwecke spezialisiert hat. Das bedeutet, wir ermöglichen Mobile Marketing Kampagnen für gemeinnützige Organisationen und Stiftungen, machen insbesondere aber jedes Handy zur modernen Spendendose.
Willy: Was ist dein persönlicher Hintergrund? Also, wie bist du auf die Idee mit spendino gekommen? Was hast du davor gemacht?
Florian: Ich bin seit 10 Jahren als Unternehmer, mit einer betriebswirtschaftlichen Grundausbildung, in der IT-Branche unterwegs. Initialzündung für die Idee zu spendino (www.spendino.de) war ein Plakat mit einem Spendenaufruf. Auf dem Plakat war eine Kontonummer aufgedruckt. “Das muss doch einfacher gehen”, war der erste Gedanke. Diese Initialzündung ist mehr als 1 Jahr her, jetzt starten unsere ersten Kampagnen.
Willy: Wie hat es dich genau nach Berlin verschlagen?
Florian: Ich war im Jahr 2000 zum ersten Mal in Berlin und es hat mir sehr gut gefallen. Nach dem Abitur hatte ich den Drang zur Veränderung und die Entscheidung war schnell gefallen. Das Studium war zudem das perfekte Alibi für einen Umzug.
Willy: Was hat euch dazu bewogen, euer Unternehmen in Berlin zu eröffnen?
Florian: Vorneweg: mein erstes Unternehmen (www.workalog.de) habe ich in Bottrop gegründet und dort ist es immer noch ansässig. Gerade unterstütze ich meinen Bruder, der mit seinem Schulfreund in Bottrop deinTor.de (www.deintor.de) gegründet hat, was übrigens in der nächsten Woche im WDR zu sehen ist.
Aber zu Berlin: Im Studium lernt man viele Leute kennen, meine Mitgründer kommen aus Hessen und Gelsenkirchen. Unsere ersten Mitarbeiter aus Bayern und Brandenburg. In Berlin gibt es sehr viele Unternehmen aus dem Internetumfeld und hundertausende Studenten und damit auch viele qualifizierte Mitarbeiter. Tatsächlich haben wir uns die Standortfrage vor der Gründung gestellt. Das viele unserer zukünftigen Kunden, d.h. Wohlfahrtsverbände und Stiftungen ihren Sitz in Berlin haben, war zuletzt ein wichtiger Grund.
Willy: Als Exil-Bottroper: Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen Bottrop (bzw. dem Ruhrpott) und Berlin? Was ist jeweils positiv, was negativ?

Florian: Wir Ruhrgebiet´ler denken immer sehr stark in Stadtgrenzen, obwohl wir in einer der größten Metropolen Europas leben. Berlin verfügt über ein exzellentes öffentliches Nahverkehrsnetz und das formt die verschiedenen Bezirke zu einer großen Stadt. Vom Bottroper ZOB bis zum Centro sind es 6km. Mit dem ÖPNV fahre ich mehr als 20 Minuten (Abfahrt alle 25 Minuten), für die gleiche Strecke in Berlin benötige ich 3 Minuten (Abfahrt alle 3-6 Minuten). Im Ruhrgebiet gefällt mir die Mentalität gut, hier versteht man sich. Ich habe den Eindruck, die Leute packen die Sachen hier anders an und blicken trotz der besonderen Probleme meistens positiv in die Zukunft. Auch sind wir stolz auf unser Ruhrgebiet. Der echte Berliner meckert eigentlich immer nur über seine Stadt. Aber das wichtigste ist, wir haben die bessere Currywurst.
Willy: Glaubst du, dass es spezielle Gründe gibt, warum es in Bottrop eher wenige innovative Unternehmen wie deines gibt?
Florian: Ein paar innovative Unternehmen haben wir auch in Bottrop. Aber innovative Unternehmen werden häufig von Studenten und Absolventen gegründet, und eine Hochschule fehlt uns bislang. Selbstverständlich leben in Bottrop auch Akademiker, aber ich stelle mir vor, dass die Gründung dann häufig am Hochschulort stattfindet, z.B. weil sich dort ein Gründerteam aus verschiedenen Städten vereint.
Willy: Meinst du, daran könnte sich in den nächsten Jahren noch etwas ändern? Oder sind Berlin, Hamburg und Co. in der Hinsicht dem Ruhrpott mittlerweile uneinholbar davongeeilt?
Florian: Aus meiner Sicht ist die Standortkonkurrenz “direkt” vor der Haustür. Köln ist ein beliebter Standort. Da ist der Blick nach Berlin oder Hamburg vielleicht schon zu weit. Bottrop erhält mit der Fachhochschule eine Chance. Generell sollten wir, ich hatte es ja schon gesagt, nicht zu provinzell denken. Das Ruhrgebiet hat Potenzial um es mit Berlin und Co. aufzunehmen. Dortmund hat bereits eine aktive Gründerlandschaft und die Uni Duisburg-Essen einen der renommiertesten Gründungslehrstühle in Deutschland. Berlin ist vielleicht “sexy”, aber das Ruhrgebiet hat auch Know-How und Erfahrung zu bieten, die es anderswo nicht gibt.
Willy: Deine Tipps für Bottroper in Berlin?
Florian: Die Berliner Metro hat Bratwürste von Mengede im Sortiment und bei vielen Supermärkten stehen Nadler Salate im Regal. Der Imbiss am Bahnhof Friedrichstraße bietet (auf Nachfrage) auch eine Currywurst an, die dem, was wir kennen, näher kommt. Wer sich verlaufen hat, findet neben dem Rathaus in Berlin-Wedding einen Wegweiser nach Bottrop.
Im vierten Teil (Teil 1, Teil 2, Teil 3) unserer Reihe über Bottroper Unternehmer haben wir uns mit Florian Nöll von spendino unterhalten. Der Willy vom Bottblog: Vielleicht kannst du dich...