Was sehen wir heute?
Berhard: Die Mammuts im Museum für Ur- und Ortsgeschichte.
Das ist RICHTICH!
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Zwei Meldungen sind es, die es dieser Tage einer Synopse bedürfen:
1. Die Stadtbüchereifiliale im Eigen steht auf der Sparliste, berichtet die WAZ.
2. Der Bottroper Atombunker wird nach wie vor unterhalten, sehen wir in der Lokalzeit Ruhr.
Was leiten wir daraus ab?
1. Beruhigenderweise ist den Bottroper Stadtoberen die Sicherheit der Bürger wichtig. Auch wenn der kalte Krieg vorbei ist – man weiss ja nie.
2. Die Verantwortung zur Bildung der Bürger wird dahin dirigiert wo sie hingehört, in die Pfarrgemeinden und die Familien. Oder, letztlich noch besser, in die private Verantwortung der Bürger (Willst du gebildete Kinder, musst du investieren!).
Ich bin froh, in einer so vorausschaund planenden Stadt zu leben. Gesunde Prioritätensetzung hat schon so manche Stadt attraktiver gemacht. Sicher sind wir also hier in Bottrop. Sollte ein wie immer gearteter Terrorist eine Atombombe am Bein haben oder in einem Koffer einschmuggeln kann uns nix passieren.
Und die zukünftigen Bürger unserer Stadt werden sicher nicht durch übermässige Quengeligkeit auffallen, denn milde gebildete Menschen sind wohl geduldiger und zufriedener. Und werden sicher massenweise TV-Angebote der angesagten Formate bekommen.
Also, alles im Lot in Bottrop! Und übrigens, in Kirchhellen ticken die Uhren anders, die haben weiterhin eine Bücherei und wohl keine Probleme mit Atombomben.
Danke an Janny für den Gastbeitrag
Komm zur Ruhr (von Herbert Grönemeyer, quasi der legitime Nachfolger zu Bochum’ und ‘Currywurst’)
Wo ein rauhes Wort dich trägt,
weil dich hier kein Schaum erschlägt
wo man nicht dem Schein erliegt
weil man nur auf Sein was gibt.
Wo man gleich den Kern benennt
und das Kind beim Namen kennt
Von klarer offner Natur
Urverlässlich, sonnig stur
Leichter Schwur,
komm zur Ruhr
…
Zu kaufen gibbet dat Ganze u.a. bei Amazon.
Ich weiß nicht, ob es schon bis an die Grenzen unsere schönen Stadt vorgedrungen ist: Wir haben Kulturhauptstadt.
Dieses Jahr dreht sich im Ruhrpott also alles um Kultur und was so dazu gehört. Und natürlich braucht so ein Projekt auch einen griffigen Slogan und der wäre: “Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel”.
“Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel”? Mal ehrlich, da stecken etliche Werbetexter und Marketingstrategen ihre Köpfe zusammen und alles, was dabei raus kommt, ist ein Slogan der Marke “Kraft durch Freude” nach dem ausgelutschten Schema “A IrgendeinePräposition B – B IrgendeinePräposition A”? Dieses Stilmittel stand so früher schon in Deutschbüchern der 10. Klasse.
Ist die Werbebranche wirklich derart unkreativ? Sind Slogans à la “Du bist Deutschland“, “We love the new” oder “Come in and find out” wirklich alles, was unsere geistige Elite nach 6 bis 20 Semestern Germanistikstudium und dem Berufsziel “Irgendwas mit Medien” drauf hat?
Zugegeben, es gibt auch gute Slogans, die absichtlich Sprache verdrehen und entstellen:
Aber in vielen Fällen weiß man wirklich nicht, ob dabei Werbetexter wirklich so unkreativ und bar jeglichen Sprachgefühls zu Werke gegangen sind oder ob sich die beauftragte Werbeagentur insgeheim ins Fäustchen lacht.
Na, wer kennt sie noch, die Gretchenfrage? Ne, nich’ die olle Gretel von dem Hänsel is gemeint, sondern die aussem Faust vom alten Goethe und die fragte damals ihren Doktor Faust: ‘Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?’
Ja, der Ruhrpott Bewohner im Allgemeinen und der Bottroper im Speziellen hat es ja im Allgemeinen eher nicht so mit der Religion, abgesehen von Fußball natürlich. Hierzulande ist man meist Protestant, Katholik oder Moslem, macht aber kein großes Aufhebens darum.
Bei Facebook gibt es allerdings seit kurzem eine neue religiöse Gruppe mit dem Glaubensbekenntnis ‘Ich glaube an die deutsche Steinkohle‘
Ich hab ja schon immer vermutet, dass Bergbau im Ruhrgebiet kein Wirtschaftszweig, sondern eine Religion und ist.
Erhebt Evonik dann bald auch Kirchensteuer?
Zur Feier des heiligen Sonntags mal wieder wat aussem Ausland:
Am gestrigen Tag hat sich dann das erste Mal seit Antritt der neuen Bundesregierung auch unsere neue Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zu Wort gemeldet.
Man könnte jetzt meinen, dass sie irgend etwas kritisches zu den geplanten Striptease Scannern an Flughäfen (Gilt das Aufnehmen von minderjährigen Fluggästen dann nicht eigentlich als Kinderpornographie? … ) gesagt hätte, läge ja auch irgendwie nahe für eine Justizministerin, die einer erklärten Bürgerrechtspartei angehört.
Aber neee, weit gefehlt: Der Beelzebub heißt mal wieder Google. Die Ministerin will dem Unternehmen mit schärferen Datenschutzgesetzen zu Leibe rücken, weil’s ja schließlich nicht sein darf, dass wir via Google Earth einfach so an Satellitenbilder unseres Planeten kommen. Dieses Vorrecht soll doch bitte schön den CIAs und BNDs dieser Welt vorbehalten bleiben.
Im Titel sowie weiteren Verlauf des oben zitierten Artikels wird allerdings klar, worum es der Bundesministerin mit dem wohl schönsten Doppelnamen aller Zeiten eigentlich geht, Zitat: “Mich stört dieses Vorpreschen, diese Gigantomanie, die auch bei der Google-Buchsuche durchscheint.”
Tatsächlich geht es also um ein unbestimmtes Angstgefühl angesichts einer sich verändernden Welt. Früher war halt alles besser.
Dabei gäbe es doch im eigenen Land datenschutzmäßig so viel anzupacken, das in den letzten 10-15 Jahren falsch gelaufen ist.
Ich erinnere mich noch sehr gut an den Rücktritt von Frau Leutheusser-Schnarrenberger aufgrund des von der letzten schwarz-gelben Regierung beschlossenen Großen Lauschangriffs. Damals war ich beeindruckt von dieser bei Politikern leider nicht eben häufig anzutreffenden Prinzipientreue. Heute muss dann Google als kümmerliches Feigenblatt für vermeintliche Sorge um Bürgerrechte herhalten.
Zumeist haben wir ja in Bottrop das erhabene Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Schließlich erfüllen uns so manche Vorgänge in der Bottroper Kommunalpolitik mit der unterbewussten Gewissheit, in der heimlichen Hauptstadt des Schildbürgertums und des behördlich organisierten Schwachsinns zu leben.
Gar nicht so selten allerdings – man hat das Gefühl als häufen sich diese Tatbestände in letzter Zeit – werden auch wir durch die schnöde Welt- und Bundespolitik auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn: Schilda ist überall!
In Deutschland, dem Land der Trägheit und der Zauderer, brauchen sinnvolle politische Maßnahmen sonst Jahrzehnte, bis sie umgesetzt werden, falls überhaupt. Seit mehr als 20 Jahren quälen sich Bürger und mittelständische Unternehmen mit einem komplizierten Steuersystem rum, das der Teufel gemacht hat, um die Deutschen zu ärgern und von dem selbst dessen größte Nutznießer – die Steuerberater – mittlerweile sagen, dass es dringend reformiert werden müsste. Und was geschieht? Genau: Nichts!
Oder ein anderes Beispiel: Das deutsche GmbH-Recht. Jahrelange wurde darüber hin- und herdiskutiert und heraus gekommen ist dabei letztendlich eine halbherzige Reform und das auch nur, weil langsam keiner mehr eine deutsche GmbH gründen wollte, sondern viele einfach mit der deutlich unkomplizierteren britischen Private Limited Company Vorlieb genommen haben.
Aber kaum haben die Insassen des Deutschen Bundestags mal ein völlig bescheuertes neues Spielzeug entdeckt, das sich für nichts anderes eignet, als unbescholtene Bürger zu ärgern, wird das Ganze binnen weniger Wochen durchgepeitscht. Wir können uns also für dieses Jahr schonmal darauf freuen, an Flughäfen ganzkörperdurchleuchtet und mit weiterem Unsinn noch länger aufgehalten zu werden, als ohnehin schon. Und in 2011 müssen wir dann alle nackt reisen, wetten?
Und prompt kommen auch wieder – wie immer beim Thema Innere Sicherheit, das in den letzten Jahren gleichbedeutend mit dem Ausspionieren der Bürger geworden ist – die Nichts-zu-verbergen-Haber um die Ecke gesprungen, um ihren berühmten Kommentar abzulassen. Ich frag mich dabei immer: Wer nichts zu verbergen hat, kann sich doch eigentlich lieber nackt auf den heimischen Marktplatz stellen, anstatt seine Mitmenschen zu ärgern (wobei, je nach Körperbau vielleicht doch lieber nicht …).
Weiter geht´s mit dem lustigen “bottropisch sanieren“! Jetzt erwischt es eines der ältesten Häuser an der Kirchhellener Straße: Die Hausnummer 20, direkt gegenüber der Rathausschänke. Das Werbe-Bauplakat zeigt uns ein schickes “modernes” und optisch austauschbares Haus.
Die Vergangenheit zählt hier wohl nichts. Andernorts werden solche seltenen historischen Gebäude gerettet (zumindest die Fassade wie an einem ähnlichen Bau in Kirchhellen), aber hier anne Emscher wird plattgemacht! Unsere Stadt verliert mehr und mehr das historisch gewachsene Gesicht …
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UPDATE !
Sooo muggelich soll nach dem Plattmachen der Neubau sein (Original-Werbeplakat!):
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