Neues aus dem Land der Schildbürger
2. Januar 2010 – 23:08 von BjoernZumeist haben wir ja in Bottrop das erhabene Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Schließlich erfüllen uns so manche Vorgänge in der Bottroper Kommunalpolitik mit der unterbewussten Gewissheit, in der heimlichen Hauptstadt des Schildbürgertums und des behördlich organisierten Schwachsinns zu leben.
Gar nicht so selten allerdings – man hat das Gefühl als häufen sich diese Tatbestände in letzter Zeit – werden auch wir durch die schnöde Welt- und Bundespolitik auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn: Schilda ist überall!
In Deutschland, dem Land der Trägheit und der Zauderer, brauchen sinnvolle politische Maßnahmen sonst Jahrzehnte, bis sie umgesetzt werden, falls überhaupt. Seit mehr als 20 Jahren quälen sich Bürger und mittelständische Unternehmen mit einem komplizierten Steuersystem rum, das der Teufel gemacht hat, um die Deutschen zu ärgern und von dem selbst dessen größte Nutznießer – die Steuerberater – mittlerweile sagen, dass es dringend reformiert werden müsste. Und was geschieht? Genau: Nichts!
Oder ein anderes Beispiel: Das deutsche GmbH-Recht. Jahrelange wurde darüber hin- und herdiskutiert und heraus gekommen ist dabei letztendlich eine halbherzige Reform und das auch nur, weil langsam keiner mehr eine deutsche GmbH gründen wollte, sondern viele einfach mit der deutlich unkomplizierteren britischen Private Limited Company Vorlieb genommen haben.
Aber kaum haben die Insassen des Deutschen Bundestags mal ein völlig bescheuertes neues Spielzeug entdeckt, das sich für nichts anderes eignet, als unbescholtene Bürger zu ärgern, wird das Ganze binnen weniger Wochen durchgepeitscht. Wir können uns also für dieses Jahr schonmal darauf freuen, an Flughäfen ganzkörperdurchleuchtet und mit weiterem Unsinn noch länger aufgehalten zu werden, als ohnehin schon. Und in 2011 müssen wir dann alle nackt reisen, wetten?
Und prompt kommen auch wieder – wie immer beim Thema Innere Sicherheit, das in den letzten Jahren gleichbedeutend mit dem Ausspionieren der Bürger geworden ist – die Nichts-zu-verbergen-Haber um die Ecke gesprungen, um ihren berühmten Kommentar abzulassen. Ich frag mich dabei immer: Wer nichts zu verbergen hat, kann sich doch eigentlich lieber nackt auf den heimischen Marktplatz stellen, anstatt seine Mitmenschen zu ärgern (wobei, je nach Körperbau vielleicht doch lieber nicht …).


