Archiv für den Monat: Mai 2010

In Kirchhellen und in Bottrop ist alles anders

Die revierweite Aktion Schachtzeichen zur Kulturhauptstadt 2010 ist auch in Bottrop und Kirchhellen durchgeführt worden, aber die gelben Ballone, welche die stillgelegten oder verschwundenen Bergwerke markieren sollen, wurden auch auf den Schachtanlagen Haniel in Bottrop und Prosper IV in Kirchhellen aufgelassen, obwohl sie noch in Betrieb sind.

Aber noch merkwürdiger, in Kirchhellen werden die Helium gefüllten Ballone hochgezogen:

‘Am morgigen Sonntag werden die gelben Ballone gegen 20 Uhr zum letzten Mal hochgezogen. [...] Mit Ausnahme von Bottrop bzw. Kirchhellen: Hier schweben die gelben Schachtzeichen über einem Bergwerk, das noch Kohle fördert’ (Quelle: WAZ).

Ich habe erst geglaubt, es sei eine unzutreffende Wortwahl des Berichterstatters. Aber ich habe mich wohl getäuscht. Auf der ehemaligen Schachtanlage Arenberg Fortsetzung konnte ich dokumentieren, dass hier der Ballon mit Hilfe des hundert Jahre alten Kranes, der neben dem ehemaligen Lokschuppen steht, hochgezogen wurde.

Sollte der WAZ Redakteur doch nicht zu lässig mit der Wortwahl gewesen sein?

Auf der nahe gelegenen Halde war viel los.

Ein Radler hat sich besonders kräftig auf dem Sattel bewegt, so dass es ihm heiß wurde.

Vielen Dank an Bernhard für den Gastbeitrag.

Der Overbeckshof: Klassische und neue Ruhrgebietsküche

Nach längerer Pause gibt es nun endlich einen weiteren Teil unserer Serie über Bottroper Unternehmen (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5).

Dieses Mal geht es weiter mit Martin Glanz, dem neuen Betreiber des Overbeckshof.

Willy: Erzähl doch vielleicht zu Anfang direkt mal, wie es dazu gekommen ist, dass du den Overbeckshof übernommen hast.

Martin: Nachdem ich längerer Zeit aus Bottrop weg war, hatte ich schon seit einiger Zeit vor, wieder ins Ruhrgebiet zurückzukehren. Als dann für den Overbeckshof ein neuer Betreiber gesucht wurde, war das wie ein Wink des Schicksals.

Der Hof gehört der Stadt Bottrop wurde aber per Erbpacht für 99 Jahre an ein Architekturbüro verpacht. Die haben nun wiederum einen Pächter gesucht, der den Betrieb für die nächsten 10 Jahre übernimmt, nachdem der vorherige Betreiber im Mai 2008 nach nur 2 Jahren in einer Nacht und Nebel Aktion verschwunden war.

Ich habe mich dann mit einem umfangreichen Konzept inklusive Bankfinanzierung beworben und mich damit gegen 15 Mitbewerber durchsetzen können. Am 04.04.2009 haben wir dann neu eröffnet.

Willy: Du bist ja in deinem Berufsleben schon ganz schön rum gekommen. Kannst du dazu ein bisschen was erzählen?

Martin: Ich habe den Kochberuf bei Johann Lafer erlernt. Danach war ich für 1 Jahr in Dubai im Burj Al Arab. Das war eine interessante, aber auch sehr harte Zeit. Wir hatten dort einen 18-Stunden Tag und waren in einer 10 km entfernten Gemeinschaftsunterkunft untergebracht.

Als nächstes war ich dann als Privatkoch in San Francisco tätig. Das war eine tolle Zeit, ich habe dort 1 bis 2 Mal die Woche für reiche Amerikaner gekocht.

Dann war ich noch 2 Jahre auf einem Weingut in Luxemburg gearbeitet und zuletzt 2 Jahre lang Kochkurse für WMF abgehalten.

Willy: Wie würdest du denn das Konzept des neuen Overbeckshofs beschreiben?

Martin: Ich würde es als klassische und neue Ruhrgebietsküche bezeichnen. Also klassische Gerichte, die man mit dem Ruhrgebiet verbindet, wie z.B. gebratene Blutwurst. Neue Ruhrgebietsküche meint z.B. arabische und mediterrane Einflüsse. Der Ruhrpott ist ein echter melting pot aus vielen Kulturen, die natürlich auch kulinarisch Eindruck hinterlassen haben.

Und das Konzept scheint anzukommen. Der Overbeckshof steht mittlerweile sogar im Feinschmecker, worauf ich schon recht stolz bin.

Wir bieten dabei verschiedene Räumlichkeiten und Varianten an, die je nach Anlass das Passende bieten sollen: Die Stuben, das Café Luise, das übrigens nach meiner Großmutter benannt ist, den Spiegelsaal und den Zauberling.

Der Gedanke dabei ist, dass es verschiedene Anlässe gibt, in ein Restaurant zu gehen. Wenn ich mit den Kumpels vom Fußball komme, möchte ich einen Humpen Bier trinken und etwas Deftiges zu essen. Bei einem Abendessen zu zweit möchte ich vielleicht lieber einen Wein trinken und ein aufwendigeres Menü haben. Wir versuchen, solch verschiedene Anlässe durch unser Konzept abzudecken.

Das hat anfangs ein wenig böses Blut gegeben, weil mir vorgeworfen wurde, ich versuche eine Art ‘Klassengesellschaft’ am Overbeckshof zu etablieren. Das ist aber nunmal gar nicht meine Absicht, weswegen wir unter anderem auch die preislichen Niveaus der Räumlichkeiten mit der Zeit etwas angeglichen haben.

Willy: Was würdest du sagen, waren die größten Probleme seit der Neueröffnung?

Martin: Wir haben ja einen ziemlichen Kaltstart hingelegt, wir sind mit 2000 qm und 16 Angestellten von 0 auf 100 gestartet.

Die ersten 3 Monate waren richtig schwer, anfangs mussten wir teilweise 20 Stunden am Tag arbeiten, weswegen z.B. einige Mitarbeiter direkt am 2. Tag nicht mehr erschienen sind. Kurz vor der Eröffnung standen deswegen mein Sous-Chef und ich zusammen mit unseren Müttern allein in der Küche, das war schon sehr stressig.
Mittlerweile haben wir uns bei 11 Mitarbeitern eingependelt, im Laufe des Jahres musste ich aber leider auch 19 Leuten kündigen.

Anfangs habe ich manchmal gedacht, der Overbeckshof erlebt den 1. Geburtstag nicht, das war schon eine ziemlich harte Zeit. Ich würde sagen, dass ich einige Fehler gemacht, aber daraus auch gelernt habe.

Die Gastronomie befindet sich seit 7 Jahren auf dem absteigenden Ast und trotz zusätzlicher widriger Umstände wie der Finanzkrise und der Tatsache, dass Banken eigentlich keine Gastronomie finanzieren, befinden wir uns mittlerweile auf einem sehr guten Weg.

Der Overbeckshof hat einen klaren Wiedererkennungswert und ist nicht einfach austauschbar. Wir legen hier sehr viel Wert auf Qualität, weil ich glaube, dass langfristig nur Qualität überlebt, auch wenn man es damit anfangs vielleicht schwerer hat.

Ich würde es nachträglich auch als Glück bezeichnen, in der Krise angefangen zu haben. In der Krise trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer sich während einer Wirtschaftskrise etabliert, ist für die Zeit danach gut aufgestellt. Und dass wir uns trotz Krise durchsetzen konnten, zeigt dass wir mit unserer Idee richtig gelegen und gute Arbeit geleistet haben.

Willy: Du bist ja schon ganz schön in der Welt unterwegs gewesen. Gibt es irgendwelche Dinge, die deiner Meinung nach besonders typisch für Bottrop sind? Gibt es für dich als Unternehmer hier besondere Vor- und Nachteile?

Martin: Ich bin ja mit 20 aus Bottrop weg gegangen und deswegen nicht wirklich mit dem Bottroper Wirtschaftsleben aufgewachsen.
Am Ruhrpott gefällt mir, dass die Menschen geradlinig sind, hier gilt ‘Ein Mann ein Wort’, das aber auch im Negativen. Man hat hier schon ein bisschen mit Sturheit nach dem Motto ‘Was der Bauer nicht kennt …’ zu kämpfen.

Willy: Was würdest du dir denn für die Zukunft in Bottrop bzw. im Ruhrpott und für dein Restaurant wünschen?

Martin: Für das Ruhrgebiet würde ich mir wünschen, dass dieses Kirchturmdenken endlich aufhört, es als kein Bottrop vs. Essen oder gar Fuhlenbrock vs. Batenbrock mehr gibt. Der Ruhrpott ist kulturell eine Suppe, trotzdem gibt es z.B. bei Großveranstaltungen wie der geplatzten Love Parade in Bochum immer Geschacher und Verantwortung wird von einem zum anderen geschoben.

Für den Overbeckshof würde ich mir wünschen, dass er nicht mehr als reines Ausflugsrestaurant gesehen wird. Der Overbeckshof ist ein Bottroper Urgestein und als Ausflugslokal bzw. Ort für Familienfeiern und ähnliches bekannt, wir haben aber mittlerweile ein viel breiter gefächertes Angebot.

Generell würde ich mir eine höhere Wertschätzung für gutes Essen wünschen. Hierzulande haben wir ein manchmal etwas eigensinniges Verhältnis zu Essen. Unsere Lebensmittel sind hoch subventioniert, weswegen wir verhältnismäßig wenig Geld für Essen aus geben.

Es wird viel Geld für sichtbare Statussymbole wie Autos aufgewandt, aber Geld für Essen auszugeben, scheint vielen irgendwie peinlich zu sein. Aber glücklicherweise ändert sich das auch schon seit einiger Zeit, auch durch die Präsenz von Kochshows im Fernsehen.

Das Tetraeder gehört ins Programm der Kasperiade

Das Tetraeder ist mittlerweile sehr bekannt und so oft besucht und abgelichtet worden das es, anlässlich der Kasperiade, die im Rahmen der Kulturhauptstadt Europa, Ruhr 2010 in Bottrop stattfindet, auch auf die Bühne gehört.

Ich gebe zu, die Bühne ist für den Kasper zu groß. Aber meint ihr nicht auch, das das Tetraeder hier eine gute Figur ab gibt. Ansonsten tummeln sich hier im und auf dem Hochseilklettergarten am Alpincenter eher die mutigen Kletterer.

Danke Bernhard für den Gastbeitrag.

Den Ruhri ihn seine Kollummne, 16.5.10

Ey hömma,

getz sindse sich ja alle im Internet am sälps am presentiern dran. “Fehsbuck” und wie diese Seiten alle heißen. Da stellze ein Fotto von dich rein, schraips noch watt über deine Hobbies, übern Kaninchenverein, wehnze allet kennz, dat dir die Meiersche ausse dritte Etage links ohm aum Sack geht – all son Zeuchs.

Also ICH halt mich ja da raus. Muss donnich jeden Pannas wissen, wie ich ausehn tu und wat ich so allet am anstelln bin. Abber bei ein happich doch mitgemacht: dat sind diese “Steh Frendz”. Da gippse ein, wanne auffe Klippschule wars und wat aus dich so geworden is. Odder au nich … Biss ja da praktisch unter alte Bekannte, die dein Kopp ja ebent von früher schon kenn.

Ich mich also da ma ehmt angemeldet. Paff! Nächsten Tach krichich drekt Mehl! Ja hömma, da wa ich aber am Staunen! Da schreibt mich ein alten Mann mit Glatze und Graubart an und meint, datter mich kenn täte! Hömma – ich hatte diesen Mensch getz nonnie vorher gesehn! Wat labert mich so ein alten Zausel vonne Seite an!?

Ich wollt den schon mitne Anzeige inne Schranken verweisen, das les ich auf eima den ihn sein Namen! Manfred B. Der hatte den gleichen Namen wie mein Schulkamerad, sah abber total anders aus. Ich kuck nomma aum Abschlussjahrgang von unsere Klasse – jau! Dat war der in echt!!!

Boar ey, wat sah der Tüp alt aus!!! Genau so wie unsre Pauker damals inne Sippziger! Ich ihn also geschrieben und gesacht, dattich auf die Anzeige verzichten würd, weil er ja so schon hart genuch mit sein Schicksal wegen dem sein Aussehen bestraft wär. Da hatter sich nich mehr gemeldet. Komisch, wa?!

Abber die Tage, hömma! Da krichich ich auf meine Bekanntschaftsanzeige ne Mehl aus Australien, dat Land, wo die Kengurus am rumhüppen sind und die Leute alle aum Kopp stehen. Mein alten Kumpel Willi T.! Jau, der Willi sah noch in etwa so aus wie inne frühen Sippziger – nur getz mit ohne Haare. Den hattat nach “Daun Ander” verschlagen! Er is getz Lehrer für sonne gestörten Kinder, hat drei Blagen, die auch schonn inne Weltgeschichte verstreut sind.

Mit den Willi happich als Tienie  ja damals 69 in ein Schlauchboot auf ein klein Baggersee die Mondlandung aum Radio verfolcht. Daran konnte der sich aunoch gut erinnern. Jau – wir am Erinnerungen am Austauschen dran … auf eima fraacht der mich am Schluß, oppich immer noch so am Kiffen dran wär, als gähp et kein Morgen!

Hömma, da war ich vonne Socken! Ich happ doch bestimmt nur paa Mal dran gezogen! Soweit ich dat jedenfalls in meine Erinnerung verdrängt hatte. Und aunich inhaliert! Hat schonn der Bill Clinton gesacht!

Happich gleich den Kontakt drekt widder abgebrochen. Für mich is getz klar: Entweder sind die alten Schulkameraden potthäßlich und uralt – odder die leiden unter diese Deminenz … also wo dir ihr Gehirn sich lampsam am Auflösen dran is …

Also Leute, schön Sonntach noch! Ich dreh mich getz ma ehmt eine …

Bottrop hat gewählt

Hier das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl in NRW für den Wahlkreis anne Emscher:

CDU 27,4 %
SPD 46,4 %
Grüne 8,1 %
FDP 4,1 %
Die Linke 6,4 %
Piratenpartei 1,4 %
pro NRW 1,5 %
ödp 1,2 %

Quelle: http://www.wahlergebnisse.nrw.de/landtagswahlen/2010/aktuell/dateien/a076lw1000.html

Was dem Bottroper seine B224 ist dem Ekeler seine K8

Mehrere Initiativen beschäftigen sich mit dem bevorstehenden Ausbau der A52 im Bottroper Süden. Ganz oben im Norden hat der Ausbau der K8, von der Öffentlichkeit unbemerkt, längst begonnen.

Gebaut wird eine Fahrbahnverbreiterung zwischen der Ausfahrt Kirchhellen Nord der A31 und dem Mühlenpatt, der die Stau-Fläche für die Besucher des Movie Parks liefert. Quasi der Lückenschluss im Norden Bottrops.

Nicht nur dir Natur am Rande der Straße wird dadurch massiv bedrängt, nein auch die Breilskapelle, was dem Ekeler seine Beinahekirche ist (siehe Geschichtliches zum Stadteil). Eine Mauer entsteht zwischen der Kapelle und dem Ortszentrum Ekels, der Alten Schmiede. Eigentlich ein Unding, gerade bei dem unglaublich hohen Anteil von zutiefst katholischen Bauern.

Als Ekeler fragt man sich: ,,Muss das denn sein?” Muss wohl, damit der Movie Park brummt. Allerdings könnte man sich auch vermehrt auf das typische öffentliche Nahverkehrsfahrzeug, den Ekeler Treckerbus besinnen.

Bei der möglichen Fahrgastzahl, wären etliche Autos weniger nötig. Somit hätte man weniger Fahrzeuge auf der Straße, mehr Beschäftigung für die Bauern und die holländischen Touristen hätten auch was zu erzählen. Die Welt kann so einfach sein!

Statt dessen bietet sich nun dieses Bild:

Hier verbuddelt die Stadt von der Öffentlichkeit unbemerkt 1.000.000 € (Haushaltsplan S. 23). Da könnt man doch lieber die Stadtbücherei Eigen erhalten und viele kleine Steuerzahler bilden.

Ein Trauerspiel. Bottrop macht die gleichen Fehler mehrfach: Im Süden baut man eine Autobahn quer durchs Kraneburger Feld, im Westen die Flugplatzerweiterung mitten in der Heide und im Norden wird die K8 erweitert.

Frage mich nur, wer die K8 bisher überhaupt kannte?! Und was wird überhaupt im Osten gebaut?

Danke an Janny für den Gastbeitrag.

Alien-Raumschiff in Bottrop gelandet?

Die Aliens vom Tetraeder sind wech …  Wirklich? Teilnehmer Ruhri hat am Montag Abend dieses Foto von einem UFO  (“Unbekanntes Fremdartiges Objekt”) gemacht, das die Vermutung aufkommen läßt, dass unsere Freunde zurückgekehrt sind!

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