Hand in Hand fuhren wir die Kaufland-Rolltreppe hoch, sie auf der rechten Spur, ich auf der mittleren. Auf der linken kamen uns, einer gepresst hinter dem anderen, Menschen entgegen. Ausschließlich Bottroper, wie ich sofort erkannte.
Der Bottroper an sich wirkt, wenn er sich nicht gerade für einen Besuch außerhalb seines Planeten fein macht oder “stylt”, wie manche Leute zu sagen pflegen, also der Bottroper wirkt eher … unorthodox, hat also seinen ganz eigenen Stil. Nicht, dass alle Bottroper, wie es böse Medien streuen, ausschließlich in ballonseidenen Anzügen einherliefen. Aber es ist nun einmal so, dass sich der Bottroper in seiner Stadt zu Hause fühlt und sich – logischerweise – so kleidet, als ob er zu Hause wäre. Bottroper, die in Pantoffeln angetroffen werden, sind zwar nicht die Regel, aber auch keine Ausnahme, wohingegen das ungebügelte Hemd, mit dem der männlichen Bottroper auszugehen pflegt, eine gefestigte Tradition hat und somit der Fremde, also der Nicht-Bottroper, am gebügelten Hemd vor Ort leicht identifiziert werden kann.
Bottroperinnen lassen sich von der Farbenlehre des größten Stadtsohnes, des Malers Josef Albers, bei der Zusammenstellung ihrer Kleidung wenig beeindrucken. Grell, schrill und haut voll rein überwiegen. Das Dezente wird strikt vernachlässigt. Was auch für die Bedeckung der Gesichtshaut gildet.
Ein Paar, das mir von oben entgegenrollte, stach aus der Menge hervor. Beide groß, weit über die Einsachtzig. Beide im Partnerlook: schwarze, eng anliegende Trainingsanzüge mit drei Außenstreifen. Er mit einer lückenhaften 70er-Jahre-Matte, sie rechts gescheitelt, links rasiert, bemalt im Apachenlook. Im Einkaufswagen eingeklemmt vor ihnen ein etwa Dreijähriger, dem Vater aus dem Gesicht geschnitten, mit der Frisur der Mutter, Trainingsanzug in grellem Rot. Als das Trio an mir vorbeiglitt, knipse ich dem Kleinen Äugschen. Woraufhin Vater und Sohn in gleichzeitiger Harmonie die Mittelfinger hoben. Die Mutter zog eine Grimasse, welche mich sofort an eine Szene (auf dem Trailer in 0.40) aus dem Film “Die Rückkehr der Untoten” erinnerte. Sie zischte zu mir rüber: “Arschgesicht!”



















