23.03.2012. Kulturausschuss Bottrop
“”Nicht erst am 08.07.2011 wie es in der Vorlage steht sondern am 17.12.2010 haben wir erstmalig über das heutige Konzept gesprochen. Es war nötig geworden, nachdem wir das ursprünglich von diesem Ausschuss beschlossene Konzept aufgeben mussten, aus finanziellen Gründen, aber auch, weil wir damit nicht das erreichen konnten, was uns vorschwebte.
Wir haben lange diskutiert, externe Hilfen herbeigeholt, Geld für Konzepte eingestellt, Termine verschoben, und heute hier liegt es endlich auf dem Tisch.
Uns liegt nun eine Konzeption vor, die in sich stimmig und logisch aufgebaut ist, aber noch sehr grob ist aus meiner Sicht einen ganz gravierenden Fehler hat: sie setzt den falschen Schwerpunkt, mehr noch: es wird versucht, alle bisherigen Aspekte irgendwie wieder einzubauen.
Die gewählte Erzählstruktur hat durchaus ihren Charme, macht aber aus dem Museum für Ur- und Ortsgeschichte ein Naturkundemuseum. Auch wenn nur Bottroper Objekte in der Ausstellung vertreten sind, so könnte dieses Museum auch in jeder anderen Stadt stehen. Teilweise tut es das in ähnlicher Form auch schon.
Was ist der in diesem Konzept beabsichtigte Zweck des Museum für Ur- und Ortsgeschichte? Wer ist die Zielgruppe, die damit angesprochen werden soll? Nicht umsonst haben wir mehrfach angeregt, auf Alleinstellungsmerkmale zu setzen, das dieses Museum ein Museum für die Bottroper sein muss – deswegen habe ich mich hier immer offen für die Schwerpunktsetzung Stadtgeschichte stark gemacht.
Sie können einwenden, dass die Geschmäcker verschieden sind und man es nicht alle recht machen kann. Aber wem wollen wir es hiermit recht machen? Tertiär und Kreidezeit fanden auch woanders statt und das von uns geforderte Alleinstellungsmerkmal ist nicht in Sicht. Ein Museum für Bottroper Stadtgeschichte, natürlich mit einem starken Anteil der Funde aus Bottrop als Verbindung hin zur Eiszeithalle, das kann es nur hier geben.
Sicherlich sind die ausgewählten Funde nach wissenschaftlichen Standpunkten ausgewählt worden und werden wohl auch angemessen präsentiert, da aber die Aufzählung der Objekte in der Vorlage derart unspektakulär ist, frage ich mich ehrlich, wer damit unter welchen Aspekten für mehrmalige Besuche angesprochen werden soll?
Wie gesagt: es geht hier nicht um meine Wünsche, weil ich mich für diesen Bereich interessiere, aber tatsächlich wird der Bereich ‚Stadtgeschichte‘ im neuen Konzept noch geringer vertreten sein als bisher. Vorgeschlagen ist, diese in einem der Räume abzuarbeiten, und dort soll u.a. allen Ernstes unter dem Titel ‘Musee Sentimentale’ ein Schwerpunkt auf einer Sammlung auf Fahnen und Wimpeln liegen?
Erklärte Stadtgeschichte findet hier offenbar gar nicht statt – es gibt wohl Pläne, Statistiken, Fotographien von Amateuren. Themen sind Zechen, Eingemeindungen, Zerstörung im zweiten Weltkrieg.
Hier, das das verstehe ich nicht als Wunsch sondern als Auftrag, muss dringend nachgebessert werden.
Vielleicht liegt das auch daran, das wohl weder Fachmann noch Lobby für den Aspekt Stadtgeschichte, in diesem Gremium vertreten war. Auch wurde auf die mehrfach angebotene Sachkunde aus der Bürgerschaft verzichtet. Außerdem vermisse ich die geforderte und versprochene angemessene Beteiligung dieses Ausschusses, der heute nur Kenntnis nehmen soll. Ganz zu schweigen von einem zeitlichen Rahmen und der Information, wie der Stand der Finanzierungssicherung aussieht.
Was stelle ich mir bei Stadtgeschichte vor? z.B. die Darstellung der politischen und räumlichen Ordnungsgeschichte – die Entwicklung des Dorfes Bottrop von den Zeiten der Mercatorkarte, über den Napoleonischen und dann Preußischen Einfluss auf die Entwicklung eines geordneten Stadtlebens, die Stadtwerdung aus rechtlicher und optischer Sicht, Bottrop in 2. Weltkrieg, Amerikanisierung der Innenstadt danach, die ‚moderne’ Entwicklung in den 70er-90er Jahren (Glabotki, Neubauten), nötige Imageänderung, der Rückbau, Innovation City. Oder z.B. die Dokumentation der Einwanderungswellen nach Bottrop und die Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Mein Ansatz war, das sich die Besucher im Museum mit den Geschichte und Objekten aus Ihrer Stadt identifizieren sollen, das sie an vielen Stellen Wiedersehen feiern und etwas Wissen von dem Museumsbesuch mitnehmen können, z.B. wieso es in Ruhrgebiet einen Köllnischen Wald gibt, warum der Hauptbahnhof am Rande der Stadt gebaut wurde, das es schon Industrie in Bottrop vor dem Bergbau gab, das Osterfeld mal Teil von Bottrop und Prosper I erst eine Essener Zeche war und wie sich das Bild der Stadt im Laufe der Zeit verändert hat – und was noch von früher da ist. Welche Entscheidungen von Tourneau bis Tischler haben die Entwicklung von Bottrop in welche Richtung gelenkt?
Das ist mein Ansatz eines Stadtmuseums: Bewahren, lernen und daraus Nutzen ziehen: nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft meistern. Das ist mehr als nur ein kluger Spruch, wenn wir die Vergangenheit besser kennen würden, würde z.B. das Tiefbauamt nicht immer überrascht werden z.B. von Vorhandensein von Bunkern am Ecke Blumenstrasse/Osterfelder oder vom von Bodenbelastungen beim Aushub des Blaumilchkanals auf der Wiese an der Parkstrasse. Das die Hügel auf dem Prosper III oder dem Hülsgelände keine Dekoration sind und der Name ‚Lehmkuhle’ als Stadtteilname auch eine ganz konkrete Bedeutung hat, wird nicht nur potentielle Bauherren interessieren.
Sie wählen einen rein musealen Ansatz von dem ich befürchte, dass in Zeiten von Multimediapräsentationen, 3D Animationen und Apps nicht langfristig attraktiv sein wird.
Ich möchte daher folgenden Antrag zum weiteren Vorgehen stellen:
Der Ausschuss nimmt den Sachstand zur Kenntnis und fordert darüber hinaus die Überarbeitung des Konzeptes, soweit es den Bereich Stadtgeschichte betrifft mit dem Ziel, diesen Bereich angemessen und stärker einzubeziehen.
Der Ausschuss beauftragt die Verwaltung zur nächsten Sitzung einen belastbaren Zeit- und Finanzierungsplan für die Umsetzung der Maßnahmen vorzulegen.
Der Ausschuss wird dann im Juni das Konzept beschließen – wenn denn eine Mehrheit dafür ist – anstatt es nur zur Kenntnis zu nehmen.”"
Quelle KLICK Mit Dank an Stefan für den Hinweis

Also ich kann mich hier der ÖDP nur voll und ganz anschließen.
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