04.07.2012. DKP Bottrop
“Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren!
Die vom Schulausschuss eingesetzte Arbeitsgruppe „Schulentwicklungsplanung“ hat mit Unterstützung der Projektgruppe „Bildung und Region“ einen ersten Meilenstein in der Schulentwicklungsplanung erreicht.
Die Projektgruppe „Bildung und Region“ hat am 22. Juni im Schulausschuss eine Empfehlung zum neuen Schulentwicklungsplan vorgestellt und somit zur Diskussion freigegeben.
Grundlage für diese Empfehlung ist eine durchgeführte Elternbefragung und statistisches Material zur demografischen Entwicklung der Stadt Bottrop.
Einige Ergebnisse der Elternbefragung sollten bei uns allen die Alarmglocken läuten lassen. Diese sind:
1. Bestätigt wurde die Erkenntnis, dass der Zugang der Kinder zur Bildung in hohem Maße von der “finanziellen Klasse” der Eltern abhängt. Das zeigt einmal mehr, dass wir in unserem Land noch sehr weit entfernt sind, von gleichen Bildungschancen für alle.
2. Ein Armutszeugnis für die Qualität unseres Bildungssystems ist, dass 93% der Eltern Nachhilfe für ihre Kinder einplanen, damit die entsprechenden Abschlüsse geschafft werden bzw. der Verbleib innerhalb der gewählten Schulform gewährleistet ist.
3. Uns hat es positiv überrascht, dass 85% der Eltern der Meinung sind, dass an allen Schulformen Sozialarbeiter vorhanden sein müssen. Eine Forderung, die die DKP-Fraktion seit mehr als 10 Jahren in diesem Hause formuliert hat.
4. Der Wunsch der Eltern nach Ganztagsbeschulung im Sekundarbereich ist größer als angenommen und sogar höher als im Grundschulbereich. Daher ist es aus unserer Sicht dringend notwendig, sowohl die Grundschulen als auch die weiterführenden Schulen zum gebundenen Ganztag auszubauen.
Lassen Sie mich – bevor ich zu den nun anstehenden Aufgaben komme – einige grundlegende Bemerkungen machen:
1. Eine Schule für Alle und längeres gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse ist für die DKP-Fraktion das wichtigste Ziel, das aus unserer Sicht in naher Zukunft umgesetzt werden sollte.
2. sollte allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern eine umfassende Bildung garantiert werden.
3. hat die DKP-Fraktion bereits zu Beginn der Diskussion im Schulausschuss darauf hingewiesen, dass es bei der Schulentwicklungsplanung nicht nur um die räumliche Planung und die Entwicklung der Schülerzahlen gehen darf, sondern in erster Linie um die Verbesserung der Qualität von Bildung.
Zu Beginn der Diskussion der Schulentwicklungsplanung wurde es aus Sicht der DKP-Fraktion versäumt, Qualitätskriterien für die Bildung in Bottrop zu formulieren.
Daher müssen jetzt detaillierte Ziele für das Schulsystem in Bottrop diskutiert und festgelegt werden.
Für die DKP-Fraktion sind folgende Ziele vorrangig:
- die Senkung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss;
- die Zurückführung von Schulverweigerern in das Schulsystem;
- eine bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund;
- die Steigerung der Anzahl von Schülerinnen und Schülern mit höheren Bildungsabschlüssen;
- eine verstärkte individuelle Förderung der Schüler, um die ausufernde Nachhilfe durch private Institute überflüssig zu machen
und
- die Umsetzung der Inklusion in unserem Schulsystem unter optimalen Bedingungen.
Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren!
Die DKP-Fraktion hält es für unabdingbar, dass eine breite Diskussion mit allen am Bildungsprozess Beteiligten, also Eltern, Lehrern und auch Schülern über die Empfehlungen zum neuen Schulentwicklungsplan geführt wird.
Daher fordern wir von der Verwaltung:
1. die Durchführung von Informationsveranstaltungen zur neuen Schulform Sekundarschule.
2. die Organisierung von Diskussionsveranstaltungen gemeinsam mit den Schulen und den Schulpflegschaften zur Empfehlung der Projektgruppe „Bildung und Region“.
Die Schulentwicklungsplanung kann nur dann zu einer Schulreform in Bottrop werden, die diese Bezeichnung auch verdient, wenn wir es schaffen:
1. die Qualität der Bildung zu steigern und
2. eine breite Akzeptanz bei Lehrern, Eltern und Schülern herbeizuführen.
Die DKP wird sich dieser Diskussion stellen, sie fördern und kritisch begleiten.
Lassen sich mich in diesem Zusammenhang noch eine Bemerkung zu den Äußerungen unseres Rechtsdezernenten Herrn Ketzer im Hauptausschuss machen:
Herr Ketzer, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass alle Fraktionen hier im Hause diese öffentliche Diskussion wünschen und von der Verwaltung fordern.
Die Verwaltung muss diese öffentlichen Diskussionsveranstaltungen jetzt mit den Schulen planen und direkt nach den Schulferien durchführen.
Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren!
Abschließend möchte ich noch zwei Bemerkungen zum demografischen Wandel in dieser Stadt machen, der in der Empfehlung der Projektgruppe „Bildung und Region“ sehr deutlich dargestellt wird.
Die sinkenden Schülerzahlen müssen:
1. dazu führen, dass die vorhandenen Lehrer im System belassen werden und somit auch die Qualität der Bildung steigt.
und dürfen:
2. in den nächsten Monaten und Jahren nicht dazu führen, dass im Rahmen des „Stärkungspaktes Stadtfinanzen“, die Mittel der Stadt für die Bildung weiter gekürzt werden.
