WAZ und Stadtspiegel

Liebe Corinna 2,

die WAZ ist nicht das Parteiorgan der SPD. Das war immer der VORWÄRTS. Ich denke, dass die WAZ demokratische Werte verteidigt,journalistisch neutral und korrekt arbeitet, aber selten eigene politische Impulse setzt und Stellung bezieht.
Es gab jedoch auch Phasen, wo man von Hofberichterstattung auf lokaler Ebene sprechen konnte, damals in den 80ern.
In letzter Zeit wurde die WAZ öfter umgestaltet und richtet sich immer stärker auf die Leser aus. Das finde ich gut.

Der Stadtspiegel ist eigentlich ein Anzeigenblatt, manche sagen auch Anzeigengrab dazu.Ich glaube nicht, dass der Stadtspiegel recherchierende Journalisten beschäftigt. Die veröffentlichen (fast) alles, was ihnen zugeschickt wird von der Stadt, den Parteien, Vereinen, Firmen usw.

8 Gedanken zu “WAZ und Stadtspiegel

  1. Markus

    Entschuldigt, dass ich lache…
    In den letzten Monaten hat die journalistische Leistung der WAZ Springer-Niveau erreicht, von wenigen guten Artikeln mal angesehen. Wenn ich mir die Führungsetage der WAZ-Zeitungsgruppe ansehe, wundert mich das allerdings auch nicht…

  2. Kümmerling

    Die WAZ ist “neutral”? Wao, das habe ich sogar nicht mal so in der Schule gelernt. Da gab es die konservativeren, bürgerlicheren Ruhrnachrichten und die SPD-freundliche WAZ. Und geändert hat sich nur, dass die RN weg sind…und dass die WAZ von der Qualität mit dem Monopol was die Qualität angeht stark abgenommen hat.

    Aber SPD-freundlich ist die WAZ doch immer noch und nicht wenig (wir reden hier von parteinah und nicht Parteizeitung wie Vorwärts oder dieses rote Schmierenblatt dass die Genossen alle paar Monate verteilen lassen um sich zu feiern).

    Dass dann der Hombach WAZ vorsteht ist natürlich nur ein Zufall als ehemaliger Kanzleramtschef von Schröder (nebenbei bemerkt, wie mit wikipedia gerade sagte, war auch der WAZ-Gründer Sozialdemokrat).

    Politischneutral war und ist die WAZ nie gewesen.

  3. Leutmann

    Mit ihrer “Umgestaltung” ( das Rot ist echt hässlich) gibt die WAZ dem Lokalen mehr Raum. Ich finde das, was die BOT-WAZ bisher daraus gemacht hat, nicht schlecht, zweifele aber daran, dass sie das – trotz einiger Zugänge und Rückkehrer – mit der dünnen Personaldecke vernünftig durchhalten wird. Die “Umgestaltung” ist sicher auch eine Reaktion auf die sinkenden Leserzahlen (in Bottrop soll die WAZ innerhalb eines Jahres etwa 7 Prozent Auflage/Leser verloren haben).

  4. Minthamarr

    Ich habe das Gefühl das wenn die SPD die Stadt zu Gründe richten würde die WAZ noch schreiben würde wie Professionell die das machen.

  5. corinna_3

    Lieber HPG,
    Dank für die offenen Worte. Drei weitere Fragen, die zusammenhängen und auf deren Beantwortung ich gespannt bin:
    1) Gibt es innerhalb der Bottroper SPD (und innerhalb anderer Bottroper Parteien) so etwas wie “demokratische Strukturen”?
    2) Wie kommt es innerhalb der Bottroper SPD (und innerhalb anderer Bottroper Parteien) zu politischen Entscheidungen?
    3) Gibt es in der Bottroper SPD (und in anderen Bottroper Parteien) PolitikerInnen, die nicht ihren persönlichen Vorteil, sondern die Sache, sprich: das Wohl der Bottroper Bevölkerung, auf ihre Fahne geschrieben haben?

  6. HPG

    Liebe Corinna,
    die demokratischen Strukturen der SPD in Bottrop liegen in der formalen Ebene. Formal werden Wahlen und Abstimmungen durchgeführt nach demokratischen Regeln. Das Problem ist, dass man auf Ortsvereins- und Unterbezirksebene keine Kultur hat, Dinge ernsthaft und unvoreingenommen zu diskutieren.
    Es greift jedesmal das Prinzip Löchelt, wie ich es an anderer Stelle ausführlich beschrieben habe.

    Ich denke, dass das auch mit dem Fehlen von Sachkompetenz zu tun hat.
    Hat schon mal jemand mitbekommen, dass ein MdB aus Bottrop im Bundestag eine beachtete Rede gehalten hat, oder ein MdL im Landtag?

    In Bottrop wird Politik nur nachvollzogen. Das ist die primitivste Form des Lernens, das sog. imitative Lernen.

    Und zu deiner Frage, ob es hier ehrliche, uneigennützige, altruistische PolitikerInnen gibt, die einzig das Wohl der Bürger im Sinn haben. Ich glaube, das ist eine berechtigte, aber zu hohe Anforderung.

    Der Sozialismus hat zum Beispiel nicht funktioniert, weil der Eigennutz eine der stärksten Triebfedern menschlichen Handelns ist,und die Menschen nicht alle gleich sein wollen.

    PolitikerInnen arbeiten nur dann zuverlässig für die Bürgerschaft, wenn für sie selbst auch etwas herausspringt, sei es nun materiell oder immateriell.

    Die Liberalen waren daher seit dem 18.Jh. der Meinung, dass das Streben nach Eigennutz zwangsläufig auch dem Gemeinwohl zu Gute kommen würde.
    Der Staat dürfe nur die Sicherheit der Bürger und das Privateigentum schützen, müsse sich ansonsten aus allen anderen Bereichen heraushalten.

    Diese Haltung führte zu den katastrophalen Lebensbedingungen und zur hemmungslosen Ausbeutung der entstehenden Arbeiterklasse und somit auch zur Entstehung des Marxismus und der SPD, die in zähem Ringen allmählich die Lebensbedingungen der Industriearbeiterschaft und ihrer Familien verbessert hat.

    Heute leben wir in einer Wohlstandsgesellschaft mit einer sozialen Marktwirtschaft, d.h. die sozialen Ungerechtigkeiten des Kapitalismus werden abgefedert. Es ist ein ständiges Hin und Her, weil es Kräfte gibt, die den Kapitalismus stärken wollen (FDP)(CDU)(SPD), und Kräfte, die das Sozialsystem verteidigen wollen (CDU) (SPD) (DKP). Als neue Herausforderung ist die Erhaltung und Verbesserung der Umwelt in den Vordergrund getreten (Grüne) (ÖDP) (CDU) (SPD).

    Man muss sich genau anschauen, ob PolitikerInnen Gutes oder Schlechtes bewirken.
    Das geht aber nur, wenn man sich schlau macht und ständig weiterbildet. Die parlamentarische Kontrolle steht und fällt mit dem Bildungsstand der Wahlbevölkerung. Wer sich nicht politisch bildet oder noch nicht einmal wählen geht (Minimalanforderung), gefährdet die parlamentarische Demokratie.

  7. Kümmerling

    CDU und SPD sind für die “Verbesserung der Umwelt”? Ja ne is klar. Natürlich haben auch diese Parteien ein Kapitel Umwelt jetzt im Programm aber, dann fehlen die Parteien Grüne und ÖDP auch bei dem Sozialsystem. Eine Partei wie die Linke taucht gar nicht auf,…
    Ein Bezug zu Bottrop noch viel weniger…
    Eine sehr “interessante” Einschätzung

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