Das Foto hier oben hat eine ganz eigene Geschichte. Ich kenne sie von meiner Oma. Ob die Geschichte wahr ist, das weiß ich nicht. Meine Oma hat sie mir 1957 erzählt. Zehn Jahre nachdem das Foto aufgenommen wurde.
Rechts auf dem Foto, das ist unser damaliger Nachbar, Herr G., von allen nur “Ata” genannt. Links den Mann kenne ich nicht. Er spielt aber in der Geschichte eine wichtige Rolle. In der Mitte steht mein Onkel Theo, der Bruder meiner Mutter (und ich finde, er sieht mir durchaus ähnlich).
Onkel Theo wurde 1912 geboren, war auf dem Foto also 35 Jahre alt (und würde in diesem Jahr hundert). Aufgewachsen ist er auf der Polderstraße am Bottroper Südbahnhof (mein Opa war Eisenbahner und arbeitete auf dem großen Stellwerk am Bottroper Hauptbahnhof). Im Krieg war Onkel Theo bei der Marine. Ich besitze noch ein Foto von ihm in voller Uniform. Er war stolz darauf (wie er das geschafft hat, weiß ich nicht), nie in irgendwelche Kriegshandlungen verwickelt gewesen zu sein und hatte im schon Mai 1945 wieder zu Hause bei Muttern, also bei meiner Oma, die Füße unter den Tisch gestellt. Ab Juni 1945 arbeitete er für die Engländer, die nach Kriegsende Bottrop unter ihre Fittiche genommen hatten. Als Koch (wie er das geschafft hat, weiß ich nicht, denn Onkel Theo hatte vor dem Krieg als Gemüseverkäufer sein Geld verdient). Als die Engländer weg waren, bekochte er in einem “Casino” die städtischen Verwaltungsbeamten.
Von Oma weiß ich, dass Onkel Theo mit seinen “Beziehungen” die gesamte Familie durch die “schlechten Jahre” gebracht hat. Diverse Fotos belegen das. Eines, aufgenommen in unserem Wohnzimmer, zeigt die gesamte Sippe wohlgenährt und bester Laune während einer Geburtstagsfeier im Jahre 1948 – auf dem Tisch Schnapsflaschen, große Schüsseln mit Kartoffelsalat, Frikadellen und ein halbes Schwein.
Onkel Theo war “in den schlechten Jahren” so etwas wie der König des Bottroper Schwarzmarkts. Der spielte sich rund um den heutigen Berliner Platz ab, bis zur Poststraße hin, auf der auch das Foto aufgenommen wurde (links das Mäuerchen stand etwa dort, wo heute die Post-Apotheke ist). Durch seine “Beziehungen” wusste Onkel Theo meist, wann eine Razzia anstand. Dann tauchte er als Wissender natürlich nicht auf, und die unwissende Konkurrenz hatte das Nachsehen und wanderte ins Kittchen.
Nur einmal klappte das nicht. Was Onkel Theo da passiert ist und was das mit dem Foto da oben zu tun hat, davon erzähle ich morgen Abend.


Er scheint ein sehr schillernder Charakter gewesen zu sein. Bin schon gespannt auf morgen!
Und du hast wirklich was von ihm – zumindest rein äußerlich
Boh! Interessant!
Weiter erzählen!