Onkel Theo heckt was aus

Ich konnte nicht anders. Ich bin vorhin zu der Stelle gegangen, wo der aus vor 65 Jahren das Schwarzmarkt-Foto von Onkel Theo gemacht wurde. Onkel Theo stand damals gemeinsam mit den beiden  anderen Herren auf dem Bürgersteig. Den gibt es zurzeit nicht. Ich stand mit dem Rücken vor einem Bauzaun, hinter dem das Hansa-Zentrum “revitalisiert” wird.

Apropos lebendig. Onkel Theo hat mir (es muss so Mitte der sechziger Jahre gewesen sein) erzählt, dass auf dem Schwarzmarkt rund um den heutigen Berliner Platz (damals Trappenkamp) ganz schwer was los war. Da handelten teilweise Hunderte von Bottropern Geschäfte auf Basis der Zigarettenwährung aus – immer auf dem Sprung vor Razzien. Onkel Theo, der konnte bekanntlich immer ganz ruhig bleiben. Aufgrund seiner “Beziehungen” wusste er ja Bescheid. Fast immer.

Gasthaus “Stamm”. Das war eine berühmte (teilweise auch berüchtigte) Kneipe auf der Horster Straße (das Haus steht noch; ich werde es gleich morgen fotografieren). Onkel Theo war mit Nachbar G. und seinem Kumpel “Johnny” dort eingekehrt. Über “Johnny” könnte man Bücher schreiben (und ich glaube, sein Sohn hat dies bereits getan). Er war genauso ein bunter Vogel wie Onkel Theo, arbeite tagsüber bei der Polizei und organisierte, sobald es dunkel wurde, bei “Stamm” diverse Schwarzgeschäfte.  Seinen Spitznamen hatte er nach dem Lied “Goodbye Johnny” von Hans Albers bekommen. Onkel Theo beschrieb mir einige Male, wie ähnlich sich Johnny und “Der blonde Hans” doch gesehen hätten.
Bei “Stamm” ging es an diesem Abend um 60 Hühner. Genauer: um 50 Legehennen und 10 Hähne. Onkel Theo hatte die aufgetan. Bei einem Bauern im Münsterländischen Greven, den er von der Marine kannte. Was die drei ausbaldoweren und  wie das Hühner-Geschäft auf dem Bottroper Schwarzmarkt ablaufen sollte, davon erzähle ich morgen.

(Einen Nachtrag noch zu gestern: Da haben sich einige daran gestört, dass die Nachkriegszeit in meiner Familie “die schlechten Jahre” genannt wurde. Was denn mit den Nazi-Jahren gewesen wäre? – Also bei uns wurde grundsätzlich nie nach Jahrzehnten gezählt. Die Nazi-Zeit inklusive die Kriegzeit, das waren “die scheiß Jahre”; die Nachkriegszeit “die schlechten Jahre”; daran schlossen sich “die Schnappes-Jahre an (etwa von 1951 bis 1965) und “die Jahre der Langhaarigen” (1965 bis 1969). Seit den Siebzigern, als von der Sippe in der Welt keine eindeutigen Trends mehr auszumachen waren, gibt es dann nur noch “Jahre der Bekloppten”. Ende offen.)

2 Gedanken zu “Onkel Theo heckt was aus

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