Ich war in meiner Bank. – Falsch! Ich hätte schreiben müssen: Ich war in “meiner” Bank. Denn “meine” Bank ist nicht meine Bank. Ich bin da nur popeliger Kunde. Wenn auch so lange schon, dass ich sie durchaus als “meine” Bank bezeichnet darf.
In “meiner” Bank war ich an diesem Tag der einzige Gast. Trotzdem waren die drei Damen hinter dem Tresen schwer beschäftigt. Sie hatten sich um einen hellgrauen Kasten gruppiert, dessen Funktion ich von vor dem Tresen nicht ergründen konnte. “Was wollen Sie?” Die Sprecherin drehte sich zu mir um. Eine gepflegte Erscheinung im kniekurzen Bankschwarzen, etwa halb so alt wie ich. – Ich äußerte mich kurz zu meinem unkomplizierten Anliegen. – “Das geht jetzt nicht.” Damit wandte sie sich wieder dem hellgrauen Kasten zu, beugte sich über ihn – sodass ich ich weit in ihr durchaus nicht unüppiges Dekolletee blicken musste. – Kameras! Die Kameras!, schoss es mir durch den Kopf; die nehmen gerade deinen völlig verwirrten Blick auf. Und beim nächsten Bankenball wird dein verwirrter Blick unter dem Jubel der gesamten Bänkermeute als Endlosschleife bis in den frühen Morgen abgespielt.
Ich riss meine rechte Hand hoch, lenkte sie vor meine Augen. Es klatschte leicht, als sie auf Stirn und Nase traf. Durch meine Finger sah ich, wie alle drei Bankdamen sich blitzschnell zu mir umgedreht hatten. “Jetzt geht er wieder.” Das war die Älteste von den dreien. “Was wollen Sie?” Ich nahm meine Hand aus dem Gesicht und äußerte mich erneut kurz zu meinem unkomplizierten Anliegen. “Das geht heute nicht.” Ich vermeldete schüchtern einen Einwand. “Ich habe Ihnen gesagt, dass es heute nicht geht. Wir haben technische Probleme. Sehen Sie doch. Versuchen Sie es morgen noch mal, und rufen Sie am besten vorher an.”
Die Damen drehten sich wieder um zu ihrem Lieblingsobjekt. Als die in dem kniekurzen Bankschwarzen mit dem durchaus nicht unüppigen Dekolletee sich über den hellgrauen Kasten beugte, begann dieser wohlig zu brummen, woraufhin ich mich abrupt umdrehte und das Weite suchte.
“Die USA sind von Bottrop und Kirchhellen weit weg. Deshalb glaube ich auch nicht, dass die Auswirkungen der Krise in dieser Stadt zu spüren sein werden.” – So hat sich vor einigen Jahren ein Bottroper Bänker geäußert. Einer von der Volksbank. Für die mag das stimmen. Ich aber habe sie gesehen, die Bottroper Bankenkrise, ganz deutlich habe ich sie gesehen. Bankschwarz, kniehoch und nicht unüppig.
