Ja, ich weiß, dass es heute geregnet hat. Eigentlich kein Fahrradwetter, aber ich konnte es mir nicht verkneifen, am Nachmittag meine Runde durchs Städtchen zu drehen, um danach in Richtung Köllnischer Wald zu entschwinden.
Stadtauswärts nahm ich wie immer die Kirchhellener Straße. Die war hinter dem Altmarkt menschenleer, nur weiter hinten links eine Gestalt, groß, wuchtig, in Jeans und schwarzem Kapuzenpullover. Der Mann schien eine Schaufensterscheibe anzuschreien. Ich hörte, wie er schimpfte, laut, unflätig. Er schien mich bemerkt zu haben, zog, als ich fast auf seiner Höhe war, die Kapuze über den Kopf, schimpfte weiter und spuckte im Rhythmus seiner Flüche gegen die Scheibe.
Stadteinwärts nahm ich die Gerichtsstraße. Ich hörte ihn schon von Weitem, noch lauter, noch wütender als vorher. Er stand auf der linken Seite vor einem Neubau. Wieder schien er mich zu bemerken, zog mit der linken Hand die Kapuze über den Kopf.
Als ich hinter ihm vorbeifuhr, drehte er sich nicht um. Er hörte aber auf zu schimpfen, presste sich gegen die Hauswand, und mit einem vorsichtigen Blick konnte ich erkennen, dass er mit der rechten Hand den Schlitz eines Briefkastens offen hielt.

Interessant…
nicht.