Der Ruhri und ich, wir waren heute auf einen runden Geburtstag eingeladen. Ins schöne Witten. Als Bottroper hatten wir in der Großstadt zunächst (trotz Navi) unsere Schwierigkeiten, die Lokalität zu finden, kamen aber letztlich auf die Minute pünktlich zur Begrüßungsrede an. Lecker Speis und Trank waren reichlich vorhanden (und von beiden wird im Folgenden nur noch ausnahmsweise die Rede sein).
Der Saal war wohlgefüllt, die Stimmung gelöst. Der Einladende und seine Frau (übrigens mit die nettesten Menschen, die wir außerhalb Bottrops kennen) hatten sich mit der Tischordnung äußerste Mühe gegeben. Uns Bottroper hatten sie mit – wie sie meinten – “passenden Personen” zusammengesetzt: zmit wei aus Recklinghausen, zwei aus Datteln, einer aus Wanne-Eickel und einem – und der war der Haken – aus Oberhausen.
Als der Oberhausener mitbekam, dass wir aus Bottrop kommen, bekam der umgehend einen Lachanfall und blökte: “Ihr seid doch die mit dem … mit dem …” Mehr bekam er nicht raus, schnappte nach Luft. Im Saal war es leise geworden. Alles starrte uns an. “… mit dem … mit dem Drescher.” Der Oberhausener trommelte mit den Fäusten auf dem Tisch herum. Unsere Teller hüpften auf und ab. Eines von den Schinkenröllchen, die der Ruhri aufgehäuft hatte, machte sich selbstständig, flog Richtung Wanne-Eickeler Tischnachbarin. Gut, dass der Ruhri mal den Bass gezupft hat und mit den Fingern so flink ist.
Das, was der Oberhausener in den folgenden fünf Minuten (laut!!!) in einem Stakkatovortrag abließ, kann ich hier nur jugendfrei und in nicht-beleidigenden Umschreibungen wiedergeben. Also: Der Oberhausener mag Herrn Drescher nicht, hält ihn für den Totengräber der Oberhausener Innenstadt sowie diverser anderen Lokalitäten und Gesellschaften, die Ruhri und mir unbekannt waren. Er habe sich “mehr als eine Woche” gefreut, als er hörte, dass Herr Drescher “endlich außerhalb Oberhausens” tätig sei – und “mehr als einen Monat”, als er mitbekam, dass er gerade in der Bottrop einen Job bekommen habe.
Der Oberhausener versuchte dann, die Wortfolge”Innovation City”auszusprechen, bekam immer wieder einen Lachanfall. Die Tränen rollten ihm reihenweise die Wangen runter. Er nahm schließlich einen Schluck Sekt und sagte dann (laut!!!): “Ihr Bottroper müsst total bescheuert sei.”
Das war uns denn doch zu viel. Der Ruhri und ich, wir wandten uns demonstrativ dem netten Ehepaar aus Datteln zu und begannen ein Gespräch über das Hin und Her mit dem Dattelner EON-Steinkohlekraftwerk. Wir verließen die Gesellschaft eine knappe Viertelstunde später.
Auf der Rückfahrt waren wir uns schnell einig, der Ruhri und ich: Solange es die Innovation City gibt und solange Herr Drescher bei Innovation City beschäftigt ist, werden wir jeden, der uns – gleich, zu welchem Anlass – nach auswärts einlädt, vor einer Zusage genau befragen, ob dabei auch Oberhausener anwesend sein könnten.

Jo … das war ein Erlebnis, das hängenbleibt! Hab ich noch nie erlebt
Was für ein genialer Sonntag im Pott!