Kleine und Große Portionen

Heute habe ich zweieinhalb Tische entfernt von einem Großen Bottroper gegessen. Nicht einem Ganzgroßen, aber immerhin einem Mittelgroßen, der oft in der Zeitung steht und per Amt Macht besitzt.

Ich war überrascht, ihn in einer Restauration anzutreffen, in der ansonsten ausschließlich Kleine Bottroper wie ich verkehren. Ich stand hinter ihm in der Schlange. Er war der Einzige, der hier einen Anzug trug. Neben ihm stand eine junge hübsche Dame. Er bestellte, zahlte für beide. Als er sich umdrehte und einen Platz suchte, streifte sein Blick über die hinter ihm Wartenden, auch über mich. Ich hörte, wie er leise zu seiner Begleiterin sagte: “Viel Volks unterwegs heute.” Sie lächelte ihn an, und beide setzen sich in die alleräußerste Ecke.

Ich platzte mich zweieinhalb Tische entfernt von den beiden, bekam nicht mit, worüber sie sich unterhielten, der Mittelgroße Bottroper und seine Begleiterin. Was ich mitbekommen hatte: dass die beiden das Gleiche wie ich bestellten. Ich war hier Stammgast und das Gericht mein Stammgericht. Meine Portion war allerdings doppelt so groß wie die der beiden. Es gibt doch noch Gerechtigkeit in Bottrop, dachte ich, als ich mir den ersten Bissen auf die Gabel schob.

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