Brot für den Süden

Tante Anna wohnt in in der Nähe von München. Mit Onkel Fred hat sie sich dort vor gut einem Jahrzehnt einen Altersruhesitz gekauft. Beide fühlen sich in Bayern sehr wohl, sie vermissen nur eines: Bottroper Brot. Und zwar das von Bleil. Und so nehme ich jedes Vierteljahr telefonisch eine Riesenbestellung entgegen, kaufe morgens bei Bleil eine Riesenmenge Brot (das von den beiden später eingefroren wird), fahre nachmittags mit einem Riesenpaket zur Post, parke auf dem Posthof und gebe es dort bei einem netten Herrn, der für Geschäftspost zuständig ist, ab.

Jeder Bottroper kennt die Schlange in der Post-Schalterhalle. Als ich zum ersten Mal  die beiden Emigranten beglücken wollte, hatte ich mich samt Sackkarre in eine eingereiht, die bis nach draußen reichte. Nachdem ich mein Riesenpaket auf den Tresen gewuchtet hatte, riet mir die Dame dahinter, künftg doch auf dem Hof die Halle für Geschäftspost, alltags geöffnet an jedem Nachmittag, anzusteuern. “Dort können Sie kurz parken, brauchen Sie nicht so lange zu warten und nicht so weit zu schleppen.” Ich befolgte den Rat, plauderte jedes Mal ein Minütchen mit dem Herrn, der dort arbeitete, wir winkten uns zu, wenn wir uns in der Stadt begegneten, kurzum: Ich wurde zum Fan der Bottroper Abgabestelle für Geschäftspost.

Heute Nachmittag fuhr ich auf den Posthof, packte mein Riesenpaket, eilte in die Geschäftspost-Halle, freute mich auf den Plausch … als hinter mir eine weibliche Stimme rief: “Wo wollen Sie denn hin?” – Die Dame klärte die neue Lage routiniert in einem Satz: “Die Geschäftspost-Annahme wurde aufgelöst.”, fügte auf meine Nachfrage erst nach kurzem Zögern hinzu: “Die Stelle in Bottrop ist weggefallen. Der Kollege arbeitet jetzt in Duisburg.”

Ich fuhr danach Richtung Eigener Markt. Ab jetzt liefert DPD das Brot für den Süden.

2 Gedanken zu “Brot für den Süden

  1. Freidenker

    “Nette Herren? Bei der Post?” – wollte ich zunächst schreiben, bis ich beim Weiterlesen erfuhr, dass dieser nette Herr eben nicht in der publimkumsintensiven Filiale beschäftigt ist (sondern hinten im Hof). Und nu isser wech, der letzte nette Herr vonne Post!

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