Ey, Bunge, alte Sumpfsau!

Gestern habe ich einen Wohnungslosen getroffen. Bei Karstadt.

Mittwochs gehe ich regelmäßig ins Karstadt-Restaurant. Um den Blick über die Hochstraße zu genießen und den preiswerten Fisch mit Röstkartoffeln. Warum es den Fisch gerade mittwochs gibt, weiß ich nicht. Es ist mir allerdings auch ziemlich egal.

Ich hatte gerade den ersten Bissen auf der Gabel, da schallerte es: “Ey, Bunge, alte Sumpfsau!” Quer durchs Restaurant. Ich brauchte nicht aufzublicken, ich wusste, wer das war. Hansgert, genannt Gerti, mein Klassenkamerad bis zur Obertertia, danach unter anderem Schrotthändler, Makler und Steuerflüchtling mit Ziel Kanada. Zuletzt hatte ich von ihm in der Zeitung gelesen, als er versuchte, bei der CDU irgendein Amt zu ergattern.

“Ey, Bunge, alte Sumpfsau!” Gerti ließ sich neben mir nieder und schnaufte: “Ich bin wohnungslos.” Sein Schicksalsroman ging über 30 Minuten. Hier die Kurzversion: Trotz CDU-Parteibuch Privatinsolvenz, Hartz 4 und Scheidung. Wohnung mit freundlicher Genehmigung von Innovation City saniert, Miete verdoppelt, Gerti rausgeschmissen.  Kurzzeitig bei Parteifreunden untergekommen, dann fallengelassen, seitdem Unterkunft in einer stillen Ecke des Köllnischen Waldes, jetzt Angst vor einem strengen Winter.

Ich habe es in anderem Zusammenhang schon einmal erwähnt, dass mir Letzteres und Vorletzteres auch blühen könnten. Deshalb habe ich Gerti in vorauseilender Solidarität eine Runde Karstadt-Fisch ausgegeben.

2 Gedanken zu “Ey, Bunge, alte Sumpfsau!

  1. anthropophag

    Wer

    „Wir wissen, dass wir nicht die gesamte Welt verändern können. Aber wir können versuchen, sie an einigen Stellen ein wenig besser zu machen und unsere soziale Verantwortung ernst zu nehmen. Aus diesem Grund entwickeln oder unterstützen wir verschiedene Projekte, die uns am Herzen liegen.“

    googelt, findet einen ehrenwerten Bottroper Unternehmer, dem s. oben …..
    Vielleicht könnte Gerti in einem seiner vorhandenen oder in Kürze durch Entmietung entstehenden Leerstandsobjekte für ein paar Wochen einen frostfreien Unterschlupf finden. Wenn genug Bottblog-Leser und andere hilfsbereite Bürger freundlich an seine Großherzigkeit appellieren……

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