Das Dorf in der stillen Ecke des Köllnischen Waldes (Teil 2 von 30)

Eine der für mich eindrucksvollsten Einrichtungen im “Dorf”, wie die Bewohner ihre Siedlung irgendwo im Dickicht des Köllnischen Waldes nennen, ist “ALDI-West”, der Lebensmittelladen unter dem Geäst einer wuchtigen Buche. Der Shop ist täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet. Erst ab Mittag deshalb, weil die Bewohner so lange brauchen, um in den Stadtläden meist am Vorabend aussortiertes Obst und Gemüse, Konserven mit Dellen, die zu einem Spottpreis abgegeben werden, Milch und Joghurt nach Verfalldatum und vieles, was es in einem “normalen” ALDI gibt, heranzuschaffen und in die Regale, zumeist Billys oder Borgsjös vom Sperrmüll, einzusortieren.

Der Verkauf wird in zwei Schichten zu je sechs Stunden von vier älteren Frauen übernommen. Zwei von ihnen haben tatsächlich einmal bei ALDI gearbeitet, eine war in einem Restaurant beschäftigt, eine kommt aus der Kirchhellener Landwirtschaft. “ALDI-West” macht insgesamt einen sehr ordentlichen und gepflegten Eindruck. So werden zum Beispiel Blätter, die ja unweigerlich ab und an von der Buche herabrieseln, umgehend mit einem Staubtuch gegriffen und in der unweiten Anlage der Kompostierung zugeführt.
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Mein Name ist Carsten N. Ich lebe seit vier Jahre mit meiner Familie im Dorf. Ich bin 48 Jahre alt, seit neunzehn Jahren glücklich, wie ich betonen möchte, verheiratet und habe drei Kinder. Geboren wurde ich in Bottrop-Boy. Ich besuchte die Hauptschule mit Abschluss, machte eine Lehre zum Industriemechaniker und arbeitete in Essen in einem mittelständigen Unternehmen. Als das dritte Kind kam, kauften wir uns unweit meines Geburtshauses eine Eigentumswohnung. Kreditfinanziert. Ich verlor meine Arbeit, wir konnten die fälligen Raten nicht mehr bezahlen und standen – wortwörtlich – auf der Straße. Durch Vermittlung eines Onkels gelang es uns, ins Dorf zu gelangen.

Ich kann auch im Namen meiner Familie sagen, dass wir hier glücklich sind. Wenn ich lese, was zurzeit in der Stadt passiert, sogar sehr glücklich. Unser Ältester wird im kommenden Jahr mit einem Dorf-Stipendium sein Studium an der Freedom University in Georgia, USA, beginnen.

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