Shades of Grey

Gestern habe ich ein Gespräch belauscht. Im Bus nach Essen.

Mein Auto ist in der Werkstatt. Mal wieder. Als Sohn aus verarmtem Bottroper Stadtadel kann ich mir nur alle zehn Jahre ein neues leisten. Mein jetziges ist acht Jahre alt. Zwei Jahre müssen wir noch durchhalten. Hoffentlich wird es nicht zu teuer. Ich musste also heute mit dem Bus nach Essen. Zurück wollte mich ein Freund mitnehmen, der in Essen arbeitet.

Der Bus war gut halbvoll. Ich saß hinten in der vorletzten Reihe. Vor mir zwei Frauen, so zwischen vierzig und fünfzig. Ich hatte ein Buch dabei (Shades of Grey, Teil 2), wollte mich gerne die halbe Busstunde lang vertiefen. Die beiden vor mir sprachen aber so laut, dass ich alles mitbekam und mich nicht vertiefen konne. Hier die entscheidenden Passagen des Dialogs:

“Und dann wollte die mich abschleppen lassen.”

“So eine dumme Kuh! Nur weil du verkehrt herum im absoluten Halteverbot gestanden hast.”

“Jau! Da stehen doch immer alle verkehrt rum. Die werden aber nicht abgeschleppt, weil die die kennt. Weiß du, was ich gerne mit der gemacht hätte … (flüster, flüster)”

“Bor, dat is gut. Woher kennt die die denn. Arbeiten die auch alle im Rathaus?”

“Jau! Die stecken da alle unter eine Decke. Die hacken sich doch nich gegenseitig einen aus, die Krähen. Also ich würde die ganze Bagage gerne … (flüster, füster)”

“Und was hast du gemacht.”

“Ich hab die gesacht, dass ich den Strehl kenn. Weiße, wat ich den könnte, den könnt ich … (flüster, flüster)”

“Und dann …”

“Dann hat die mich gefragt, welchen Strehl ich denn meine, die Kuh.”

“Dat is doch wohl klar! Mann, du, die Alte könnt ich … (flüster, flüster)”

“Ich die auch. Und wenn ich dem Strehl dat verklickern tät, dat die aber ganz schwer Schwierigkeiten kriegt, dat die … (flüster, flüster, lach, lach).”

“Bor! Da war die aber ruhig …”

“… und kuckte mich an wie ne Kuh. Und da  konnt ich nich mehr, da hab ich dat Ding aus meine Handtasche geholt, und da hab ich der – ey, wir müssen aussteigen …”

Ich leider noch nicht.

Draußen gingen die beiden wild gestikulierend Richtung Essener Universität. Vielleicht arbeiten sie da. Vielleicht bei den Medizinern, oder bei den Psychopathen.

Für den Rest der Fahrt habe ich versucht, mich in Shades of Grey (Teil 2) zu vertiefen. Und ich habe nicht verstanden, wieso Menschen dieses Buch als skandalös bezeichnen. Es ist im Vergleich zur Realität völlig harmlos.

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