Sie werden es auch bemerkt haben. Bis vorgestern hatten wir 180 Facebook-Daumenhocher. Jetzt sind es nur noch 179. Einer ist verloren gegangen. Ich weiß, wer der eine ist.
Gestern rief mich ein alter Kollege an. Ich habe ihm versprochen, dass ich hier weder seinen Namen noch seine berufliche Stellung enttarne. Nur eines darf ich verraten: Er arbeitet nicht im Rathaus.
Am letzten Mittwoch kam der Chef meines Kollegen angerannt und brüllte: “Sind Sie bekloppt geworden?! Wie können Sie Daumenhoch für diesen Bottblog machen. Wenn das meine Geschäftspartner sehen! Wir verlieren unsere Aufträge! Daumenhoch! Sind Sie bekloppt geworden! Für diese Krawallbrüder!”
Zum Hintergrund: Mein Kollege kuckt ab und an Bottblog. Er hatte nach langem Zögern am Dienstagabend ein Facebook-Konto eröffnet. Sein Chef kuckt offenbar regelmäßig Bottblog. Ich vermute, dass er es war, der uns in einigen Kommentaren als Krawallbrüder bezeichnet hat.
Mein Kollege sagte seinem Chef, dass es auch in Bottrop so etwas wie Meinungsfreiheit gebe, sogar für den Bottblog. Sein Chef unterbrach ihn rüde und tobte: “Die Meinungsfreiheit hört beim Bottblog auf. Nehmen Sie den Daumen da raus, und zwar umgehend, sonst …”
Seit diesem Gespräch, beziehungsweise seit kurz danach, haben wir nur 179 Facebook-Daumenhocher, und ich fürchte, wenn ich hier weiterhin Tag für Tag solche und ähnliche Geschichten erzähle, werden es bald noch sehr viel weniger sein.
