18. Januar 2012 – 23:20 von WeB
Polizeibataillon 316
“Standort des Bataillons war im Rahmen der Neuaufstellung von Polizei-Ausbildungsbataillonen zunächst Bottrop. Die Einheit unterstand dem Kommando der Schutzpolizei in Recklinghausen. Kommandeur war Major Wilhelm Ochse. Teile des Bataillons lagen zunächst in Mönchengladbach, diese wurden später als 4.Kompanie nach Bottrop verlegt.”
(Stefan Klemp, Nicht ermittelt, Klartext-Verlag Essen, 2011)
“”Wie Momentaufnahmen haben einzelne Vernehmungsaussagen [von Mitgliedern des Polizeibatallions 316] Augenblicke des Massakers festgehalten. Julius S., der vor seinem Polizeidienst bei der Firma Krupp gearbeitet hatte, erinnerte sich an den genauen Ablauf des Mordeinsatzes in Bialystock:
“Mit 14 Kameraden meines Halbzuges hatte ich außerhalb des Panzergrabens an dessen einer Längsseite auf Tuchfühlung Stellung zu beziehen, nachdem 15 Juden beziehungsweise Männer in den Panzergraben teils hineingejagt, teis hineingeprügelt wurden, wo sie an der anderen Längsseite des Grabens mit dem Gesicht zu ihrer Wand Aufstellung nehmen mußten. Sie bildeten also auch eine in Tuchfühlung stehende Gruppe. Sie weinten, jammerten oder fluchten. Einige riefen auch: “Ihr Hunde, Ihr Schweine!” Wir 15 Schützen waren direkt dem Befehl des Hauptmann Nord unterstellt. Er ging an der Längsseite des Grabens, an der die Delinquenten standen, von einem Opfer zum anderen, wies jeweils mit der gezogenen Pistole auf das Opfer, vor dem er stand, wobei er diese Person abzählte und sich überzeugte, daß zum Beispiel Schütze 5 gegenüber dem Opfer 5 stand. Danach trat er an die Kopfseite und gab den Befehl “Legt an – gebt Feuer!” und wir Schützen gaben eine Salve ab, wobei wir jeweils auf das Genick des uns gegenüber stehenden Mannes zielten. Die Entfernung betrug etwa 5 Meter. Ich habe nur insgesamt 10 Opfer erschießen können, nachher war ich fertig. Ich trat dann zu dem Absperrkommando ab, nachdem mir der Kollege K. sagte, er wolle mich ablösen, und ich übernahm dann für ihn den Absperrdienst. Offensichtlich hatte er Mitleid mit mir, da ich ihm wohl aufgefallen bin.”
Die kurze Schußdistanz hatte furchtbare Verletzungen zur Folge. Wenn nicht das Genick, sondern der Kopf getroffen wurde, platzte die Schädeldecke ab und die Schützen wurden mit Blut, Knochensplittern und Gehirnteilen bespritzt. Auf nicht tödlich Getroffene gaben einzelne Offiziere oder der Stabsarzt mit Pistolen “Nachschüsse” ab. In den Gräben waren Batallionsangehörige damit beschäftigt, nach jeder Salve die Körper der Ermordeten gerade zu ziehen, um pro Graben möglichst viele Tote aufnehmen zu können. Einer der dazu Bestimmten wühlte “wie ein Verrückter” völlig verstört in den Leichen herum, ein anderer soll blutverschmiert “wie ein Metzger” ausgesehen haben.”"
Quelle: Gelsenzentrum Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen KLICK
Polizeibataillon 316
“Standort des Bataillons war im Rahmen der Neuaufstellung von Polizei-Ausbildungsbataillonen zunächst Bottrop. Die Einheit unterstand dem Kommando der Schutzpolizei in Recklinghausen. Kommandeur war Major Wilhelm Ochse. Teile des Bataillons lagen zunächst in Mönchengladbach, diese wurden später als 4.Kompanie nach Bottrop verlegt.”
(Stefan Klemp, Nicht ermittelt, Klartext-Verlag Essen, 2011)
""Wie Momentaufnahmen haben einzelne Vernehmungsaussagen [von Mitgliedern des Polizeibatallions 316] Augenblicke des Massakers festgehalten. Julius S., der vor seinem Polizeidienst bei der Firma Krupp gearbeitet hatte, erinnerte sich an den genauen Ablauf des Mordeinsatzes in Bialystock:
"Mit 14 Kameraden meines Halbzuges hatte ich außerhalb des Panzergrabens an dessen einer Längsseite auf Tuchfühlung Stellung zu beziehen, nachdem 15 Juden beziehungsweise Männer in den Panzergraben teils hineingejagt, teis hineingeprügelt wurden, wo sie an der anderen Längsseite des Grabens mit dem Gesicht zu ihrer Wand Aufstellung nehmen mußten. Sie bildeten also auch eine in Tuchfühlung stehende Gruppe. Sie weinten, jammerten oder fluchten. Einige riefen auch: "Ihr Hunde, Ihr Schweine!" Wir 15 Schützen waren direkt dem Befehl des Hauptmann Nord unterstellt. Er ging an der Längsseite des Grabens, an der die Delinquenten standen, von einem Opfer zum anderen, wies jeweils mit der gezogenen Pistole auf das Opfer, vor dem er stand, wobei er diese Person abzählte und sich überzeugte, daß zum Beispiel Schütze 5 gegenüber dem Opfer 5 stand. Danach trat er an die Kopfseite und gab den Befehl "Legt an - gebt Feuer!" und wir Schützen gaben eine Salve ab, wobei wir jeweils auf das Genick des uns gegenüber stehenden Mannes zielten. Die Entfernung betrug etwa 5 Meter. Ich habe nur insgesamt 10 Opfer erschießen können, nachher war ich fertig. Ich trat dann zu dem Absperrkommando ab, nachdem mir der Kollege K. sagte, er wolle mich ablösen, und ich übernahm dann für ihn den Absperrdienst. Offensichtlich hatte er Mitleid mit mir, da ich ihm wohl aufgefallen bin."
Die kurze Schußdistanz hatte furchtbare Verletzungen zur Folge. Wenn nicht das Genick, sondern der Kopf getroffen wurde, platzte die Schädeldecke ab und die Schützen wurden mit Blut, Knochensplittern und Gehirnteilen bespritzt. Auf nicht tödlich Getroffene gaben einzelne Offiziere oder der Stabsarzt mit Pistolen "Nachschüsse" ab. In den Gräben waren Batallionsangehörige damit beschäftigt, nach jeder Salve die Körper der Ermordeten gerade zu ziehen, um pro Graben möglichst viele Tote aufnehmen zu können. Einer der dazu Bestimmten wühlte "wie ein Verrückter" völlig verstört in den Leichen herum, ein anderer soll blutverschmiert "wie ein Metzger" ausgesehen haben.""
Quelle: Gelsenzentrum Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen KLICK
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