Schulentwicklungsplanung im Bottroper Süden: Schreiben von Ulrich Schnirch (Die GRÜNEN) an den Bezirksbürgermeister der Bezirksvertretung Bottrop-Süd

Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Bongers,

wir beantragen hiermit, den Tagesordnungspunkt
Empfehlungen der Bonner Projektgruppe Bildung und Region (Biregio) 
zur Schulentwicklungsplanung im Bottroper Süden
auf die Tagesordnung der Sitzung der Bezirksvertretung Süd am 23.08.2012 zu setzen.

Beschlussvorschlag:
Die Schulverwaltung Bottrop wird beauftragt, unverzüglich …

(1.) eine öffentliche Informationsveranstaltung für Erziehungsberechtigte und SchülerInnen im Stadtbezirk Bottrop-Süd über die „Empfehlungen zur Schulentwicklungsplanung Bottrop“ des Gutachterbüros Biregio (z. B. „keine weiterführende Schule im Bottroper Süden“) und die Schulformen „Sekundarschule“ (voll integriert, teilintegriert und kooperativ) sowie „PRIMUS“-Schule (Chance längeren gemeinsamen Lernens, vgl. „Eckpunkte Schulversuch PRIMUS“) zu organisieren.

(2.) Möglichkeiten zum Angebot weiterführender Schulen im Bottroper Süden bzw. Alternativen zu den „Empfehlungen“ von Biregio zur Schließung bzw. Aufgabe von Schulstandorten im Bottroper Süden aufzuzeigen (z. B. Darstellung der Möglichkeiten beim „PRIMUS“-Schulversuch zum längeren gemeinsamen Lernen).

Vor dem Hintergrund der im Schulausschuss der Stadt Bottrop am 22.06.2012 erstmals vorgelegten „Empfehlungen zur Schulentwicklungsplanung Bottrop“ und der vorliegenden „Maßnahmenliste zum Haushaltssanierungsplan Bottrop“, bitten wir um die vorherige Zuleitung eines schriftlichen Sachstandsberichts des Schulverwaltungsamtes Bottrop, in dem insbesondere folgende Fragestellungen zur Neugestaltung der Schullandschaft im Bottroper Süden beantwortet werden:

Welche Annahmen, pädagogischen Leitbilder und Bildungsziele sowie bezirklichen Planvorhaben und städtischen Sparvorgaben liegen den  „Empfehlungen zur Schulentwicklungsplanung“ im Bottroper Süden des Bonner Gutachterbüros im einzelnen zugrunde (Übersicht aller berücksichtigten Bildungskonzepte und Schulaktivitäten sowie aller Einflussfaktoren, Kriterien und Ziele zur Verbesserung der Bildungsqualität)?

In welcher Weise sind pädagogische Leistungen innerhalb der Schullandschaft im Bottroper Süden und eine Schulentwicklung im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in die vorliegenden Empfehlungen für zukünftige Schulstandorte im Bottroper Süden eingeflossen (z. B. Erreichen des NRW-Bildungszertifikats „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit 2009 – 2012“ nach dem Motto „Globale Zusammenhänge erkennen – lokal handeln“ mit den am 20.03.2012 von OB Bernd Tischler in einer Auszeichnungsfeier zur zukünftigen Präsentation in der Öffentlichkeit überreichten Gütezeichen (Urkunde, Hausschild und Fahne)?

In welchen Gremien erfolgte die Unterrichtung, Entscheidung und Beschlussfassung über die (faktische) Aufgabe und Umwidmung der „Hauptschule Lehmkuhle“ – ohne Beteiligung und Information der Bezirksvertretung Bottrop-Süd (keine Einrichtung der Schulklasse 5 im bevorstehenden Schuljahr 2012/2013)?

Wann sollen – neben den LehrerInnen – auch die Erziehungsberechtigten und SchülerInnen – zeitnah im Rahmen einer städtischen Informationsveranstaltung im Stadtbezirk Bottrop-Süd über die vorliegenden „Empfehlungen zur Schulentwicklungsplanung Bottrop“ informiert werden (z. B. „keine weiterführende Schule im Bottroper Süden“)?

Warum enthalten die vorgelegten „Empfehlungen“ von Biregio ab dem Schuljahr 2013/2014 bzw. 2014/2015 keine Vorschläge im Bottroper Süden für die Einführung einer „PRIMUS“-Schule (zehnjähriger Schulversuch zum längeren gemeinsamen Lernen mit Jahrgangsstufen von der ersten bis zur zehnten Klasse auf der Basis des NRW-Schulkonsenses zum Bespiel am Standort der „Hauptschule Welheim“ bzw. ggf. „Hauptschule Lehmkuhle“)?

Welche Überlegungen bzw. Planungen gibt es bei der Bottroper Schulverwaltung und seitens des beauftragten Bonner Gutachters im Hinblick auf städteübergreifend sinnvolle pädagogische Lösungen mit den Nachbarstädten (z. B. Essen oder Oberhausen)?

Wie soll der Einfluss der „sozialen Herkunft“ (Einkommen, Bildung und Beruf der Erziehungsberechtigten) im Sinne gleicher Bildungschancen nachhaltig gemindert werden? Welche „Investitionen“ in Bildung und „Elternarbeit“ sind hierzu aus Verwaltungssicht erforderlich?

Begründung:
Das von der Stadt Bottrop beauftragte Bonner Gutachterbüro Biregio (Projektgruppe Bildung und Region) hat im Bottroper Schulausschuss am 22. Juni 2012 erstmals seine Empfehlungen zum neuen Schulentwicklungsplan und zur Neugestaltung der Schullandschaft – auch im Bottroper Süden – vorgestellt. Grundlage dafür waren eine Elternbefragung und statistisches Material zur demografischen Entwicklung in den drei Stadtbezirken der Stadt Bottrop.
Ein differenziertes Meinungsbild kann in den Entwurf des Schulentwicklungsplans Bottrop jedoch nur bei vorheriger Beteiligung von SchülerInnenn, LehrerInnen, und Erziehungsberechtigten sowie insbesondere auch der Bezirksvertretungen einfließen. Hierzu sollten die vorliegenden „Empfehlungen“ unter anderem unverzüglich in der Bezirksvertretung Bottrop-Süd vorgestellt werden, um mögliche Anregungen im Zuge der sich anschließenden Einbringung des eigentlichen Entwurfs des Schulentwicklungsplans Bottrop in die Bottroper Gremien bereits berücksichtigen zu können. Auf diese Weise können sich auch EinwohnerInnen direkt über die öffentlich verlaufende Diskussion in der Bezirksvertretung Bottrop-Süd informieren.
Darf es doch bei der Schulentwicklungsplanung im Bottroper Süden nicht allein um die demographische Entwicklung und die räumliche Planung gehen. Alle Entscheidungen sollten an der Steigerung der Bildungsqualität der im Bottroper Süden lebenden Kinder und Jugendlichen, unabhängig von der „sozialen Herkunft“ bzw. dem Bildungsniveau der Erziehungsberechtigten, ausgerichtet werden. Hierzu sind wichtige Qualitätsziele und davon abzuleitende Maßnahmen zu fixieren, die den Orientierungsrahmen für die Schulentwicklung im Bottroper Süden bilden: „Inklusion“ im örtlichen Schulsystem mit längerem gemeinsamem Lernen und verstärkter Individualförderung (einschließlich gezielter Förderung von SchülerInnen mit Migrationshintergrund und verstärkter Reintegration von SchulverweigererInnen) sowie weniger SchülerInnen ohne Bildungsabschluss und mehr SchülerInnen mit einem besseren Abschluss.

Vor diesem Hintergrund wird um Zuleitung und Präsentation der vom Bonner Gutachterbüro Biregio zusammengestellten Daten und die damit verbundenen demographischen Prognosen, Erkenntnisse und Empfehlungen für die örtliche Schulentwicklungsplanung sowie hierzu eingegangene Stellungnahmen gebeten.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Ulrich Schnirch
(Bezirksvertreter im Modellstadt-Bezirk Bottrop-Süd)

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